Armut tut weh – doch Wegschauen gilt nicht

Die Armut in Deutschland nimmt zu. Immer mehr Menschen kämpfen ums Überleben, sie haben kein Dach über dem Kopf, kein Geld auf dem Konto, kein Essen im Kühlschrank. Sie sind seit Jahren arbeitslos oder überschuldet oder krank. Sie schließen sich zu Hause ein oder betteln oder gehen auf den Strich.

Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, kann dies täglich und überall beobachten. Es berührt und es macht hilflos. Denn welche Möglichkeiten habe ich in meinem Alltag, dies zu ändern? Ich bin keine Heldin, keine Kämpferin für die Armen und Endrechteten. Ich leiste hier eine Spende, dort ein gutes Werk, doch mein schlechtes Gewissen gegenüber den Benachteiligten, aber auch gegenüber denen, die sich einsetzen, bleibt. Deshalb bin ich besonders empfänglich für die vielen Kampagnen für Spenden, Unterstützung und Akte der Nächstenliebe vor Weihnachten. Vielleicht geht es Euch genauso.

– von Susanne Hencke –

Dann lasst Euch berühren von einer Idee des Diakoniepfarrers Martin Friz, die seit 20 Jahren in besonderer Weise in der Stuttgarter Leonardskirche wirkt.

im Viertel um die Stuttgarter Leonhardskirche ist die Armut das ganze Jahr über kaum zu übersehen. In dem kleinen Park hinter dem Parkhaus, wo die Bürger, die zum Einkaufen gehen, ihre Autos abstellen, treffen sich die, die nichts einkaufen können.

                 

Manchen gelingt es trotzdem nicht genau hinzusehen.

Dies wollte Diakoniepfarrer Martin Friz im November 1994 ändern. In einer Kirche, dem Ort der Nächstenliebe und der Begegnung, wollte er Menschen zusammenbringen, die sich sonst nicht begegnen. Die Armen sollten hier finden, was sie zum Leben brauchen. Essen, medizinische Versorgung, Ruhe, Gespräche, Haare schneiden, Berufsberatung und eine Spielecke für Kinder. Unterstützt von denen, die genug haben, um ein wenig abzugeben.

Mit einer beeindruckenden Energieleistung wurde die erste Vesperkirche organisiert und im Januar 1995 öffnete erstmals die Stuttgarter Leonhardskirche ihre Türen für die Einsamen, die Hilflosen, die Alten und für alle, die Begegnung suchen. Und seitdem jedes Jahr, in diesem Jahr also zum 20. Mal. Außerdem verbreitet sich die Aktion über das ganze Land, über 20 Vesperkirchen gibt es in Baden-Württemberg, und auch in anderen Bundesländern finden sie inzwischen statt.

Sieben Wochen zwischen Januar und März, sieben Tage in der Woche, täglich von 9 Uhr bis 16.15 Uhr  ist die Vesperkirche ein Ort der Begegnung, wo jeder sein darf wie er ist.

Hierzu wird die Leonhardskirche in der Stuttgarter Innenstadt so umgebaut, dass morgens heißer Kaffee und Tee ausgeschenkt werden kann. Wer eine Nacht im Freien hinter sich hat, erhält Decken und kann sich auf die Kirchenbänke schlafen legen. In der Magdalenenkapelle versorgen Ärztinnen und Ärzte die Besucherinnen und Besucher medizinisch. Zwei Tierärztinnen sind für die vierbeinigen Freunde der Gäste da. Manche der täglich bis zu 1.000 Gäste wollen für sich sein, Zeitung lesen oder Musik hören. Andere spielen Schach oder Skat. Für Gespräche und Beratung stehen Diakoninnen und Diakone zur Verfügung.

Ab 11.30 Uhr kann man für 1,20 Euro ein warmes Mittagessen bekommen. Und auch wer keine 1,20 Euro dabei hat, wird nicht weggeschickt. Am Nachmittag gibt es kostenlose Vesperbeutel.

Im zehnten Jahr gibt es 2014 Kultur in der Vesperkirche. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei. So können auch Menschen mit schmalem Geldbeutel Kultur vom Feinsten genießen. Möglich wird dies durch Spenden, und weil die Künstlerinnen und Künstler auf eine Gage verzichten.

Mit einer Andacht schließt die Vesperkirche täglich um 16.15 Uhr.

Dies alles ist natürlich nur mit der Unterstützung vieler Helfer möglich, ohne die 600 Ehrenamtlichen, die Diakoninnen, Diakone und Sozialarbeiterinnen ließe sich die Vesperkirche nicht durchführen.

Und natürlich nicht ohne die Förderer, denn ohne deren Spenden gäbe es die Vesperkirche nicht. Die Vesperkirche finanziert sich allein aus Spenden, rund 250.000 Euro werden im Jahr gebraucht.

Das Spendenkonto der Vesperkirche:
BW Bank Konto: 2 464 833 (BLZ 600 501 01)
IBAN DE05 6005 01010002 4648 33
(BIC SOLADEST)

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