Threema, Telegram & Co.? Oder doch lieber bei WhatsApp bleiben?

– von Felix Haußmann –

Kein Thema bewegt die Nutzer von Smartphones in letzter Zeit so sehr, wie die Übernahme von WhatsApp durch Facebook: Sind meine Daten bei WhatsApp noch sicher? Spioniert Facebook jetzt auch noch meine wahren Freunde über mein Adressbuch aus? Sind die Beteuerungen des WhatsApp Gründers Jan Koum, der Nachrichtendienst bleibe ein eigenständiges Unternehmen, glaubhaft? Das sind nur einige der Fragen, die sich die verunsicherte Nutzergemeinde jetzt stellt.

Praktikant und Verschlüsselungsexperte Felix Haußmann

Auch ich habe mir natürlich alle diese Fragen gestellt und überlegt zu welchem alternativen Anbieter ich nun wechseln könnte. Diese Frage ist aber gar nicht so einfach zu beantworten. Die einen sagen dies, die anderen das genaue Gegenteil. Ist Telegram nun die beste Alternative oder doch besser Threema, der Blackberry Messenger, Line oder gar myEnigma? Mein erster Gedanke war: Jetzt warte ich erst mal ab, was die anderen alle machen. Aber anscheinend verfahren die meisten nach diesem Muster, jedenfalls hat sich zumindest in meinem Freundes- und Bekanntenkreis noch keine eindeutige Lösung herauskristallisiert.

Nach einigem Warten und nachdem sich die meisten meiner WhatsApp-Kontakte dann doch entweder für Telegram oder für Threema entschieden hatten, habe auch ich mir den Telegram Messenger heruntergeladen. Der Vorteil: Er ist kostenlos. Der Nachteil: Ich weiß nicht so richtig, ob ich in eine App, die zur russischen Version von Facebook gehört, mehr Vertrauen haben sollte, dass sie mit meinen Daten verantwortungsvoll umgeht, als zu WhatsApp. Auch in einer Bewertung der Stiftung Warentest schneidet Telegram nur unwesentlich besser ab als WhatsApp. Telegram bietet zwar eine End-to-End-Verschlüsselung, diese muss vom Nutzer allerding gezielt unter „Secret Chat“ ausgewählt werden. Ebenso wie WhatsApp speichert auch Telegram alle Adressbucheinträge aus meinem Smartphone, ansonsten überträgt die App aber anscheinend keinerlei Daten an den Anbieter oder an Dritte.

Deutlich besser bewertet wird hingegen die Schweizer App Threema. Threema benutzt im Gegensatz zu Telegram eine automatische End-to-End-Verschlüsselung. Adressbucheinträge können zwar ebenfalls gespeichert werden, allerdings nur in pseudonymisierter Form und mit der ausdrücklichen Zustimmung des Nutzers. Aber auch, wenn man dem Auslesen seines Adressbuches nicht zustimmt, kann die App angeblich problemlos verwendet werden. Der Grund, warum sich die meisten meiner Freunde und auch ich mich letztendlich nicht für Threema, sondern für Telegram entschieden haben, liegt wahrscheinlich daran, dass Threema nicht kostenlos ist. Auch für mich waren 1,79 Euro für eine App, bei der ich nicht wusste, ob sie einen Nutzen hat, ein Hemmnis.

Doch obwohl ich jetzt den neuen Messenger installiert habe, konnte ich mich noch nicht dazu durchringen, WhatsApp von meinem Handy zu löschen. Zu viele meiner WhatsApp-Kontakte sind entweder noch immer dort oder aber sie sind zu einem ganz anderen Anbieter gewechselt. Deshalb habe ich jetzt beide Messenger und habe beschlossen, die weitere Entwicklung einfach mal ganz entspannt abzuwarten. Am Ende entscheidet man ja doch nicht selber darüber, mit welcher App man seine sozialen Kontakte pflegt. Es wird darauf ankommen, wie sich das Umfeld entscheidet, weil man ja eine App benutzen will, mit der man mit möglichst vielen seiner Freunde kommunizieren kann. Und dazu ist es nötig, dass sie von möglichst vielen genutzt wird – so wie das bei WhatsApp der Fall ist und wahrscheinlich trotz aller Befürchtungen auch bleiben wird.

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Ein Gedanke zu „Threema, Telegram & Co.? Oder doch lieber bei WhatsApp bleiben?“

  1. Das Problem ist, dass jeder Geld verdienen will, aber gleichzeitig immer alles gratis haben möchte. So verlockend die vielen Angebote im Internet sind, gratis sind diese auch nicht. Man bezahlt nicht mit Geld sondern mit Informationen.

    Die Lösung für das Chat Problem heißt meiner Meinung nach Jabber. Es kommt aus der Open Source Welt, kann Verschlüsselung und es gibt Clients für alle Betriebssysteme. Man kann sich entweder bei einem beliebigen Jabberserver auf der Welt kostenfrei anmelden oder, wer ganz auf Nummer sicher gehen will wie ich, der läßt seinen eigenen Jabberserver laufen. Alle Jabberserver können übrigens miteinander kommunizieren, so dass es egal ist, welchen Jabberserver man sich letztlich raussucht.

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