Champagner oder Cola Teil 3: Echtzeitbewerbung, oder: Wie man der eine aus 800 werden kann

Beiträge von Praktikanten für (zukünftige) Praktikanten: Hier berichten unsere aktuellen Praktikanten Felix und Jennifer von allen Höhen und hoffentlich nicht allzu vielen Tiefen, die das Praktikantenleben bei Convensis mit sich bringt. Von der Herausforderung der Bewerbung, Einblicken in den Arbeitsalltag über mögliche Stolpersteine bis hin zu den Vorstellungen und Wünschen des „perfekten Praktikums“ wird dabei nichts ausgelassen, was für euch von Interesse sein könnte.

– von Jennifer Zimmermann –

Dem Student heute ist bewusst, dass er, trotz Geburtenrückgang und Demografischem Wandel, im Konkurrenzverhältnis zu hunderten von anderen Mitbewerbern um Praktikumsplatz bzw. zukünftigen Arbeitsplatz steht. Vor allem, wenn man die Zeit bis zur Rente nicht in irgendeinem beliebigen Unternehmen absitzen möchte. Beinahe schon nötig scheint es daher, sich selbst als Marke zu präsentieren, durchgehend authentisch zu wirken, aus der Masse positiv herauszustechen und dem Kunden (Unternehmen) einen Mehrwert zu bieten. Best Case: Der „Human Ressourcer“ verliebt sich auf den ersten Blick in einen und man bleibt ihm hartnäckig im Hinterkopf sitzen.

Jennifer Zimmermann, Praktikantin bei Convensis

Erschwert wird dies zum Teil schon durch die standardisierten Bewerberportale, die inzwischen auch so einige größere Agenturen besitzen. Statt einem selbstgeschriebenen Lebenslauf müssen hier alle Erfahrungen und Kenntnisse einzeln eingetragen werden, was nicht nur zeitraubend, sondern auch nervenaufreibend ist, wenn „Senden“ eben nicht sendet und von vorne angefangen werden muss. Ganz davon abgesehen, dass hierbei Kreativität und individuelle Note gänzlich auf der Strecke bleiben – und das obwohl dies in unserer Branche doch in jeder Stellenausschreibung gefordert wird.

Das Prinzip „Auffallen um jeden Preis“ haben schon so einige ausgereizt. Gerade im Kommunikations- und Marketingsektor ist die Bandbreite origineller Bewerbungen sehr groß, so dass Varianten mit QR-Code, über Blogs oder als Flaschenpost schon fast zu gängigen Modellen werden. Auch das Phänomen des Ego-Googelns vieler Manager und CEOs wurde  so bereits ausgenutzt. Dabei werden Google Anzeigen mit dem jeweiligen Namen des CEOs oder Managers erstellt und mit einer Landing Page verlinkt. Die Wirkung dieser simplen Bewerbung beweist der entsprechende Youtube Clip.

Vor einem halben Jahr etwa stand auch ich vor dem Problem: Wie steche ich aus der Masse heraus? Dazu startete ich das Experiment „Die etwas andere Bewerbung“. Ich wählte Stuttgarter Agenturen aus, die mir für ein Praktikum interessant erschienen und organisierte mir Telefonnummer und Email-Adressen der CEOs. Da wir im Rahmen einer Vorlesung das Management Trend Forum unseres Dozenten Torsten Ambs auf Schloss Monrepos mitgestalten durften, nutzten wir diesen Rahmen. So lud dieser, mit all der Seriosität von Agentur und Doktortitel, die ausgewählten CEOs zu der Veranstaltung ein. Tatsächlich zeigte der CEO einer der Agenturen großes Interesse an der Veranstaltung, war an diesem Tag allerdings verhindert. Kurzerhand nutzten wir seine Begeisterung und es kam zu einem Präsentationstermin vor der gesamten Agentur, so dass ich meine Bewerbungsunterlagen dem CEO persönlich überreichen konnte, welche dieser direkt in die Personalabteilung trug.

Es war also gelungen, meine Bewerbung an all den anderen vorbei zu schmuggeln. Einen Tag nach dem Vortrag, Feedback von der Personalabteilung: Die Unterlagen waren bereits in der Fachabteilung. Einen weiteren Tag später dann eine Mail von der Fachabteilung: Die Unterlagen werden angesehen. Trotz dem bisher positiven Verlauf des Experiments flatterte schließlich die schriftliche Absage in meinen Briefkasten. Grund: Ich wollte nur ein halbes Jahr Praktikum machen, in der Agentur seien aber 12 Monate Voraussetzung, da sonst „für beide Seiten kein Mehrwert entstehen kann“. Da ich nicht bereit war, mein Studium für ein möglicherweise nicht zufriedenstellendes Praktikum zu verlängern, setzte ich meine Suche fort.

Alternative Bewerbungen können also einen Vorteil verschaffen, zumindest gelingt es einem auf diese Weise, aus der Masse heraus zu stechen – zielführend müssen sie allerdings nicht immer sein. Und weiter bleibt die Frage: Wie weit will man dabei gehen? Wann stößt man an die Grenzen des guten Geschmacks?

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