Sorry, Karl – wir haben die Kontrolle behalten

EIm Selbstversuch zeigt sich die Convensis Group solidarisch und schlüpft zum Internationalen Jogginghosentag 2016 ins kontroverse Baumwoll-Beinkleid.

– von Sebastian Baierschmitt –

„Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“ – Karl Lagerfeld

Ich persönlich liebe sie: meine Jogginghose. Und oh ja, ich gestehe gleich am Anfang, dass ich sie nicht nur in heimischen Gefilden auf der Couch vor dem Fernseher trage. Vielleicht liegt es an meiner Frankfurter Street-Hawk-Historie, aber ich trage sie auch in meiner Freizeit – auf der Straße, in Geschäften und sogar, wenn ich meine Tochter in die Krippe bringe.

Was? Echt? Du Proll! Du Assi! – höre ich schon das Geschrei und fühle mich für eine Sekunde lang schuldig. Aber hey: muss ich das? Fügt man der Jogginghose nicht kolossales Unrecht zu, wenn man sie als „Modesünde“, „Hartz-IV-Kutte“ und „Gammelbuchse“ stigmatisiert? Ist Kleidung heutzutage wirklich noch eine Aussage über Stand, Bildung und Herkunft? Aber ja, meint Schulleiterin Sandra Vöhringer aus Schwaben und will den Schlabberlook an ihrer Gesamtschule zukünftig verbieten. Für sie steht fest: „Die Jogginghose passt nicht auf den Schulhof und das Klassenzimmer.“

FAber passt sie dann auch nicht in eine PR-Agentur? Gut, dass ich und mein geliebtes Beinkleid noch eine Rechnung offen hatten: wir waren noch nie zusammen auf der Arbeit.

Also dachte ich, dass ich den 21.01. – den Tag der Jogginghose – nutze, um genau diese Frage zu klären.

Die Mission ging los! Diese bestand zuerst darin, meine Kollegen und Kolleginnen von meinem Vorhaben zu überzeugen: „Äh, ich hätte da eine Bitte. Könnt ihr morgen alle mit Jogginghose kommen?“ Komisch, aber an diesem Tag wollte keiner mehr mit mir kickern, Kaffeepause machte ich alleine und die Köpfe verschwanden allgemein hinter den Bildschirmen.

Aber hey: Sie ließen mich nicht im Stich und so liefen über die Agenturschwelle Jogginghosen in allen Größen, Farben und Stilen.

Doch jetzt ging es ja erst los. Wie sitzt es sich mit einer Jogginghose am Schreibtisch. Oh, der Kunde ruft an – bin ich ein anderer? Ab zum Meeting und… ich lach mich schlapp: „Wie seht ihr denn aus?“. Kann ich ernst bleiben und „wie jetzt? – auf dem Bildschirm läuft die Agenda und nicht die Simpsons“. Und schwupps ist es Mittagszeit und der Gang zur Nahrungsaufnahme steht an. „Oh wie peinlich ist das denn. Jetzt sehen mich auch noch fremde Menschen auf der Straße in dem Aufzug“, so eine Kollegin. Für mich geübten Träger kein Problem, für andere aber fast wie eine herausfordernde Circus-HalliGalli-Aufgabe. So trudelten einige von ihnen kreidebleich und appetitlos von ihrem Rewe-Ausflug zurück in die Küche. Und andere wiederum verpassten die Mittagspause gar, da sie lieber einen zeitaufwendigen Umweg nahmen, um unerkannt zu bleiben.

Mmhh…, dachte ich mit zunehmendem Unbehagen: Der Hautschmuck für Knastis ist zum fancy tattoo anvanciert, die fettige Boulette zum Edel-Burger – aber was ist mit meiner Jogginghose?

GSchlussendlich muss ich sagen, dass die Joggingbuchse nicht wirklich als Arbeitsbeinkleid dient. Auch ich Hartgesottener habe mich nicht wohl in meiner Haut gefühlt. So hatte ich die ganze Zeit über das Gefühl, mich eher in meiner Freizeit als auf der Arbeit zu befinden. Einfluss hatte der legere Dress zudem auf die Wahl meiner Sprache, denn irgendwie war alles „easy“, „voll locker“ und „ganz gechillt“. Auch das Sitzverhalten in meinem Bürostuhl glich eher dem auf einem Fernsehsessel. Der Gang zum Meeting-Raum ähnelte dem zum Kühlschrank und im WC-Bereich hatte man das Gefühl, man steht in der Sportumkleidekabine. Kurzum, ich gebe es zu, dass die Arbeitskleidung einen Einfluss auf die Arbeitsqualität hat. Heißt in meinem Fall: Kleider machen nicht nur Leute, sondern eben auch gute PR.

Und zu guter Letzt macht es außerdem einfach mehr Spaß, den Feierabend symbolisch einzuläuten, indem die Jogginghose an- und nicht ausgezogen wird.

Und noch was: meine Kollegen mögen mich wieder. Warum? Weil am Internationalen Tag der Jogginghose auch noch der „Weltknuddeltag“ ist. Was ein Zufall, uff. Sie mussten mich einfach wieder in den Arm nehmen.

 

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