Minderjährige Flüchtlinge in Stuttgart

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Quelle: dpa

In den letzten Blogbeiträgen haben wir bereits verschiedene Möglichkeiten vorgestellt, den Flüchtlingen zu helfen. Und auch am 4. Advent möchte ich auf einen Aspekt des momentanen Flüchtlingsstroms nach Stuttgart hinweisen.

Erst am vergangenen Mittwoch (16.12.2015) schlug das Jugendamt in der Stuttgarter Zeitung Alarm: der Ansturm der Minderjährigen, die ohne ihre Eltern nach Stuttgart kommen, übersteige die Kapazitäten an Räumlichkeiten und Betreuung bei Weitem.

– von Susanne Hencke –Anders als die rund 6500 Flüchtlinge – Erwachsene und Familien – die in Stuttgart in über 80 verschiedenen Unterkünften, wie Turnhallen, leerstehenden Altenheimen und auch an der Stuttgarter Messe untergebracht sind, müssen sich um Flüchtlingskinder, die alleine reisen, Betreuer in Heimen und Pflegefamilien kümmern. Doch nun sind die Heime gnadenlos überbelegt, denn es kommen immer mehr unbegleitete, ausländische Kinder und Jugendliche nach Stuttgart. Ungefähr doppelt so viele wie die Quote vorgibt.

Die Betreuer sind überlastet

Und obwohl die Anzahl der Betreuer in den letzten Monaten stark aufgestockt wurde, fehlen noch mehr als doppelt so viele. Sie kümmern sich nicht nur in den Heimen um die Minderjährigen, sondern helfen auch bei Behördengängen und dem Gesundheitsamt. Sie unterstützen auch die selbständigeren Jugendlichen, Deutschkurse zu finden und bieten ihnen einen festen Tagesrhythmus. Dies hilft auch, die Traumata zu lindern, die viele Kinder und Jugendliche auf ihrer Flucht erlitten haben.

Diese enge Begleitung ist nicht nur körperlich, sondern auch seelisch belastend. Daher betrifft der sehr enge Betreuungsschlüssel, der in Stuttgart momentan gilt (1:136, also auf 136 Flüchtlinge kommt 1 Sozialbetreuer/in), vor allem die Heim- und Wohngruppen-Betreuer.

Wer helfen möchte, diese belastende Situation für die Sozialarbeiter und Erzieher zu verändern, kann die Petition der Freundeskreise Zuffenhausen und Feuerbach unterschreiben und verbreiten.

Jugendamt sucht Vermieter und Pflegeeltern

Außerdem sucht das Jugendamt WG-Zimmer und Wohnungen für die Jugendlichen – besonders für die selbstständigen. Trotzdem werden sie weiter vom Jugendamt betreut. Viele Minderjährige können in eine Schule oder sogar Ausbildung vermittelt werden, sie sprechen sehr schnell Deutsch und brauchen besondere Unterstützung bei der Integration.

Für Flüchtlingskinder, die alleine geflüchtet sind, werden außerdem Pflegefamilien gesucht. Einige Kinder konnten schon vermittelt werden, aber der Bedarf wird immer dringlicher.

Melden kann man sich entweder beim Jugendamt (Pflegefamilien) oder über Facebook (Vermieter/ WGs), auf der Seite „Refugees, welcome to Stuttgart“, die unkompliziert vermittelt.

Patenschaften zur Unterstützung

Eine schöne Idee ist ebenfalls, einem Jugendlichen einen Paten zur Seite zu stellen. Bisher konnte man 70 solcher ehrenamtlichen Helfer vermitteln, neue werden weiterhin gesucht. Jeder Volljährige mit einwandfreiem Führungszeugnis kann eine Patenschaft übernehmen, melden kann man sich unter Telefon 01 57 37 74 43 50.

Wer also in den bereits vorgestellten Beiträgen der letzten drei Sonntage zu allgemeinen Unterstützungsformen und der Initiative Balkanroute Stuttgart nichts gefunden hat, was er zur Weihnachtszeit beitragen möchte, kann sich für Kinder und Jugendliche einsetzen. Oder haben wir noch etwas Wichtiges vergessen? Dann schreibe uns in den Kommentaren!

In diesem Sinne wünschen wir Dir friedliche Weihnachten und ein tolles neues Jahr!

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