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Privat ist das neue öffentlich: Wie Periscope die (Unternehmens-) Kommunikation verändert

Die Zeiten, in denen man entweder ein Mitglied der Rolling Stones oder der Hauptdarsteller in einem Hollywood-Blockbuster sein musste, um ein Millionen-Publikum zu erreichen, sind schon lange passé: Die „Generation YouTube“ lebt heute selbstbewusst in einer Welt, in der beinahe jeder seine eigenen Botschaften auf eine breite Masse loslassen kann – so trivial diese auch manchmal sein mögen. Daher ist es nur folgerichtig, dass mit Periscope seit wenigen Monaten ein neuer Dienst auf dem Markt ist, der die Grenzen zwischen Sender und Empfänger weiter verschwimmen lässt. Und prompt gehen Agenturen und Unternehmen auf die Suche nach dem passenden Verwendungszweck.

– von Andreas Eisfeld –

Smartphone_ConcertDie Idee von Periscope ist so simpel wie genial. Da heutzutage beinahe jeder mit Smartphone inklusive Kamera und brauchbarem Datentarif ausgestattet ist, ermöglicht es die App, das eigene Leben öffentlich und live zu teilen oder wiederum anderen Nutzern weltweit über die Schulter zu blicken: sei es beim morgendlichen Weg zur Arbeit, am Strand, im Büro oder bei der Tour durchs Viertel. Was einst mit dem „Medienexperiment“ Big Brother begann, nämlich der Blick in das vermeintlich wahre Leben anderer Menschen, gipfelt nun in der vollkommenen Hüllenlosigkeit. Technik sei Dank.

Natürlich gibt es dabei angenehme Seiten für die private Nutzung: In den USA findet sich für beinahe jedes große Konzert ein passender Stream – dass man in Deutschland dafür theoretisch eine Rundfunklizenz benötigen würde, da man ab einer gewissen Reichweite selbst zur Sendeanstalt wird? Geschenkt. Auch der Unterhaltungswert ist gegeben, denn nicht jeder Nutzer, der einen Stream online stellt, hätte dies auch zwangsläufig tun sollen. Wie dieser unbekannte Kriminelle, der einfach mal seine Flucht vor der Polizei live über Periscope verbreitete und kommentierte. Auch ich selbst ertappe mich dabei, länger als geplant im oft interessanten, sehr oft aber auch einfach sehr wirren Leben der Anderen gefangen zu sein. Einen gewissen Reiz kann man Periscope also nicht absprechen – das erklärt schließlich auch, warum bereits 10 Millionen Nutzer seit dem Launch Ende März an Bord sind.

Wie die Plattform auf unternehmerischer Seite genutzt werden kann steht auf einem anderen Blatt. Aber auch hier zeichnen sich bereits tolle Ideen ab: Viele Fernsehsehstationen in den USA, vor allem auch kleine Regional- und Nachrichtensender, bieten per Periscope den Blick hinter die Kulissen der Produktion und ermöglichen auf diese Weise ungeahnte Transparenz. Auch die deutsche Fußballbundesliga hat das Potential der App für sich entdeckt – der BVB ist dort aktueller „Meister der Herzen“ und überträgt über den Streamingdienst regelmäßig Pressekonferenzen. Viele weitere Vereine nutzen diesen Verbreitungsweg ebenfalls.

Vor allem genau diese Übertragung von Live-Veranstaltungen (ebenfalls ein aktuelles Beispiel: die BILD organisierte ein Q&A mit dem Schauspieler Elyas M‘Barek zum Start seines neuen Films) scheint sich zu etablieren, denn die Aufnahmen sind noch bis 24 Stunden später abrufbar und erweitern ein physisches Event ganz leicht in den digitalen Raum. Ein erster Ansatz, auf den sicher noch einige spannende Einsatzmöglichkeiten folgen werden.

Erfreulich ist im Übrigen auch, dass Periscope auf das Feedback der Nutzer hört und sich konsequent weiterentwickelt: Das letzte Update ermöglicht Videos im Querformat, wodurch etwa Landschaftsaufnahmen noch besser zur Geltung kommen. Auch Facebook hat die Anziehungskraft des Live-Streamings mittlerweile erkannt, und integriert nach und nach neue Funktionalitäten für einen beschränkten Personenkreis – selbstverständlich, um die sogenannten „Influencer“, also Journalisten, Promis und Experten, nicht vollständig an den Twitter-Dienst Periscope zu verlieren. Pläne, dieses Live-Feature auch für alle Nutzer zu öffnen, gibt es zurzeit zwar nicht. Dennoch scheint klar: Live-Streaming ist gekommen, um zu bleiben. Und spätestens dann, wenn Facebook diese Möglichkeit doch für ein breites Publikum anbietet, wird es auch aus der Unternehmens-Kommunikation nicht mehr wegzudenken sein.

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