Eichstätter Gespräche

20150619_180105_resizedIn den Eichstätter Gesprächen diskutieren einmal im Jahr zwei Tage lang um die 100 Repräsentanten aus Kirche, Wissenschaft und Wirtschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt über aktuelle wirtschafts- und unternehmensethische Themen. 2015 fand die Tagung unter dem Motto „Ressource Kultur“ statt.

Die Einladung kam kurz nach der Veröffentlichung des Buches „Arbeitskultur 2020“, zu dem ich den Beitrag „Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Das work&life@convensis-Konzept“ der Convensis Group“ (Exzerpt zum Download auf unserer Homepage) verfasst hatte. Ich freute mich darauf, denn das Teilnehmer- und Referentenfeld war hochkarätig, das Thema „Ressource Kultur“ für eine Personalerin allemal spannend.

IMG_20150620_084139Schon bei der Ankunft hatte sich der Weg gelohnt. Eichstätt ist ein beschauliches Städtchen an der Altmühl, das im letzten Jahrhundert stehengeblieben zu sein scheint. Schon allein durch diese unversehrte Architektur bin ich sofort in eine andere Welt versetzt. Dazu passt, dass ich im „Bischöflichen Priesterseminar“ übernachte, ein sehr christlicher, Ehrfurcht einflößender Ort. Aber auch ein ruhiger, friedlicher Platz.

Doch zurück zum eigentlichen Anlass meiner Reise ins Oberbayrische: Über die gesamte Veranstaltung stellte sich immer wieder die Frage, welche Chancen und Herausforderungen die kulturelle Vielfalt auf der einen Seite und die fortschreitende Globalisierung der Wirtschaft auf der anderen bieten. Sicher sind Konzepte zu „Cultural Diversity“, „Diversity Management“ und „Ethno-Marketing“ bei Unternehmen in Deutschland inzwischen Standard. Doch womit sind sie zu füllen, damit sie nicht nur wirtschaftlichen Anforderungen genügen, sondern auch einem „Arbeitsethos“. Wie können Werte und Überzeugungen im unternehmerischen Alltag gelebt werden? Wie ist es möglich, die Unternehmenskultur unter den sich immer schneller ändernden Bedingungen der Arbeitswelt weiterzuentwickeln? Welche Anforderungen ergeben sich an die FührungspersönlIMG_20150619_090523_resizedichkeiten der Zukunft? Und: Welchen Beitrag können christliche Werte und die katholische Soziallehre hierbei leisten?

Dass das Publikum wie das Podium fast ausschließlich aus Männern bestand, fand ich nicht nur typisch, sondern auch sehr schade, sind es doch erfahrungsgemäß eher die Frauen, die sich um kulturelle und ethische Fragen in Bildung und Unternehmen kümmern. Mancher Beitrag ging leider nicht über einen recht simplen Stammtischeinwurf hinaus, andere Redner überzeugten mich durch eine scharfsinnige und fundierte Argumentationslinie. Leider wurde wenig kontrovers diskutiert, dennoch konnte ich einige Erkenntnisse mitnehmen:

  1. Kultur beginnt dort, wo sinnloses, zweckfreies Handeln passiert. Prof. Dr. Schallenberg.
  2. In Europa gibt es eine alte Tradition der unternehmerischen, sozialen Verantwortung. Msgr. Prof. Dr. Schallenberg gibt daher zu bedenken, dass diese (wieder) zu einer „Herzensangelegenheit“ von Unternehmern werden und sich nicht so sehr am ROI orientieren sollte.
  3. Dr. Dierksmeier stellte noch einmal heraus, dass das ökonomische Denken sich mit Beginn der Industrialisierung abgewendet hat von moralischen Fragen hin zu einem wertfreien, analytisch-naturwissenschaftlichen Denken. Dies wird dann problematisch, wenn es um Werte von Mitarbeitern geht. Man kann also über Arbeitszufriedenheit, Motivation und Lebensqualität nicht forschen, nicht sprechen und im Arbeitsleben nicht handeln, ohne Werte und ethische Fragen zu beantworten. Daraus folgt auch, wir müssen auch weniger über Quantität nachdenken und mehr über Qualität.
  4. Dazu passt auch, dass einige Beiträge bemängelten, das „kulturelle Aspekte“ des Lebens in schulischer und universitärer Ausbildung zu kurz kämen und sich dies auf diverse relevante Skills v.a. des Arbeitslebens auswirkte. Was zunächst als „Jammern über die verkommene Jugend von heute“ daherkommt, entpuppt sich allerdings schnell als reelle Erfahrung vieler Wissenschaftler und Unternehmer, ihre Arbeitsprozesse nicht mehr zufriedenstellend strukturieren zu können und damit echte Einbußen in der Qualität hinnehmen zu müssen, die langfristig schwierig wären, zu kompensieren. Es wurde zumindest bezweifelt, dass die Verantwortung, Nachwuchsführungskräften die „Ressource Kultur“ nahezubringen, ausschließlich bei den Unternehmern liegen kann.
  5. Schließlich war es sehr erfreulich, welche Möglichkeiten sich große wie kleine Unternehmen schaffen, „Kultur“ zu leben und zu füllen. Dabei hat vieles gar nicht so viel zu tun mit großartigen Programmen oder festen Leitlinien, die definiert wurden. Sondern häufiger einfach mit TUN.

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