PR-Gags – DO‘S & DON’TS

„Soll ich´s wirklich machen oder lass ich`s lieber sein?“ Das ist die zentrale Frage, die sich jeder PR-Manager stellt, wenn es um die Entscheidung geht, ob man einen PR-Gag platzieren soll oder lieber nicht. Denn sie sind gefährlich. Zu viele Beispiele von zu vielen erfahrenen Agenturen zeigen, dass selbst das professionellste PR-Team vor einem Shitstorm nach einer Guerilla-Aktion nicht gefeit ist.

– von Anna-Leona Bösl –

Ein Beispiel einer guten Idee, aber misslungenen Umsetzung ist die Benennung eines Wetter-Hochs (oder eben auch eines Tiefs) nach dem neuen Mini Cooper Modell von BMW. Die zufällige Zuweisung des jeweiligen Klimas hat dieser Idee leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Tief Cooper hat sich in einen Schneesturm entwickelt, der ganz Deutschland plagte. Wenn man also überlegt, ob eine Guerilla-Aktion ein geeignetes Mittel zum Zweck ist, sollte man sich vorher anschauen, wie es den Kollegen ergangen ist. Man kann eben vorher nicht wissen, was passiert. Die Liste ist schier unendlich… Es ist ein bisschen, wie einen Wunsch ins Universum zu schicken. Ich entwickle ein geniales Konzept, wäge Für und Wider ab, durchdenke alle Eventualitäten sowie rechtlich mögliche Folgen – und am Ende entscheiden nur Leser und Konsument, ob die Idee aufgeht oder nicht. Es gibt jedoch auch gelungene PR-Gags, die genau zu den gewünschten Zielen führen. IKEA macht‘s mit der Idee, die billigste Digitalkamera der Welt zu bauen, vor – die Kunden sind begeistert. Oder das „Trojanische Mailing“ von DHL. Eine abgekühlte Thermofolie lässt den nichtsahnenden USP-Fahrer ein riesiges, vermeintlich schwarzes Paket ausliefern. Er wird heimlich gefilmt und während er vergeblich eine falsche Adresse in der überfüllten Fußgängerzone einer deutschen Innenstadt sucht, erscheint die freche Aufschrift „DHL is faster“ – Der Coup war genial.

Was will ich also erreichen, wenn ich einen PR-Gag umsetze? Das Convensis-Team hat in einer kleinen internen Umfrage Do´s und Dont´s zum Thema definiert.

DO´S

1. Frech und mutig sein

Ein gelungener PR-Gag zeichnet sich besonders durch einen hohen Unterhaltungsfaktor aus. Der Leser wird auf die Schippe genommen und soll auch erstmal ein bisschen zweifeln, ob das tatsächlich wahr sein kann oder nicht. Der Gag kann gerne ein bisschen frech sein, nur sollte er keine Persönlichkeitsrechte verletzen.

2. Social Media nutzen

Die sozialen Netzwerke dienen zur Verbreitung eines PR-Gags als ideale Plattform. Der User kann die Meldung selbst teilen und in seinem Freundeskreis verbreiten, das Schneeballsystem funktioniert hier perfekt.  Die Diskussionsmöglichkeiten sind unbegrenzt und jeder Nutzer kann sich schnell und einfach zum Thema äußern. Auch können Kommentare von der Agentur oder vom Unternehmen, das den PR-Gag platziert hat, direkt an den Leser weitergegeben werden und die Entwicklung des Gags beeinflussen.

3. Richtlinien beachten

Wichtig bei der Durchführung einer Guerilla-Aktion sind die sorgfältige Planung im Vorfeld und die Beachtung gesetzlicher Richtlinien. Niemand möchte nach einer PR-Maßnahme eine Klage am Hals haben, also vorher sorgfältig mögliche gerichtliche Folgen prüfen.

DON’TS

1. Sensible Branche wählen

Es gibt Branchen, in denen sich ein PR-Gag nicht empfiehlt, wie beispielsweise im medizinischen Bereich. Hier ist es wichtig, den Leser gut zu informieren, denn eine Fehlinformation kann hier schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Auch Banken- und Versicherungsunternehmen sollten im Vorfeld überlegen, ob sie das Vertrauen ihrer Kunden durch eine Guerilla-Aktion aufs Spiel setzen.

2. Aufklärung zu lange hinauszögern

Zögern Sie nicht zu lange, den Spaß aufzuklären! Feingefühl ist gefragt und es gilt, den richtigen Zeitpunkt zum Aufdecken der Inszenierung einzuhalten. Die Leser/Kunden können leicht verärgert werden, wenn sie zu lange an der Nase herumgeführt werden.

3. Mangelhafter Social-Media-Monitoring

Wenn nun also der Gag ins unberechenbare Netz der Öffentlichkeit gestellt wurde, müssen Sie auf jeden Fall dabeibleiben! Kommentare müssen aktiv mitverfolgt werden, um passende Antworten zur jeweiligen Stimmung zu geben. Im positiven Verlauf der Aktion können Beiträge veröffentlicht werden,  die die Spannung des Gags noch einmal steigern. Im umgekehrten Fall müssen Sie die Aktion eventuell vorzeitig aufklären, um einen größeren Schaden abzuwenden.

Wenn also ein paar Grundregeln beachtet werden, kann man mit einem originellen Konzept möglicherweise einen genialen Coup landen, innerhalb von wenigen Stunden einen enormen Aufmerksamkeitswert generieren und das Image eines Unternehmens nachhaltig positiv beeinflussen.

Also: Wer hat Angst vorm PR-Gag? NIEMAND? Und wenn er aber kommt? Dann sind wir vorbereitet!  Spannend ist das Thema auf jeden Fall und unterhaltsam in den meisten Fällen auch. Bei Convensis sind es immerhin 60% der PR-Manager, die Lust auf eine Guerilla-Aktion haben….Be prepared!

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