PR-Gag – Alles nur ein Spaß, oder doch nicht?

Um die mediale Aufmerksamkeit eines Unternehmens, die Markenbekanntheit eines Produkts oder die Publicity einer Person des öffentlichen Lebens zu steigern, sollen die Medien berichten. Für diese Berichterstattung braucht es in der Regel einen Aufhänger. Eine Neuerscheinung, ein Wechsel in der Unternehmensführung oder ein Event können als solche dienen. Doch was tun, wenn gerade nichts auf der Agenda steht? Wenn keine Exklusiv-Veröffentlichung aktuell ist? Ein Coup muss her. Ein gekonnt lancierter PR-Gag, eine fingierte Sensation, die das Rad der Medien in Bewegung setzt und Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit schafft.

– von Anna-Leona Bösl –

Als eine „einzelne Maßnahme, Aktion oder Ähnliches der Presse, die sich durch besonderen Witz auszeichnet“ definiert der Duden den PR-Gag. Ein PR-Gag kann als geplante Strategie eines Unternehmens gezielt lanciert werden um ein Thema in den Medien zu platzieren. Durch Witz und Überraschung zeichnet sich der Gag aus, der die öffentliche Diskussion anregen soll. Der Bereich Social Media ist für diese Maßnahme besonders gut geeignet, da die sozialen Netzwerke die interaktive Kommunikation der User ermöglichen. Besonders wirkungsvoll sind Behauptungen, die empören. Wie zum Beispiel Jan Böhmermanns Äußerung zum Mittelfingervideo des derzeitigen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis.

Kann das wirklich wahr sein? Hat der Grieche Deutschland tatsächlich DEN Finger gezeigt? Oder ist das Video ein Fake? Ein frecher PR-Gag? Hat Günther Jauch schlecht recherchiert oder erlaubt sich hier jemand nur einen schlechten Scherz? Es ist der Finger der seit 15.März 2015 die Welt bewegt.

Zur Hauptsendezeit des deutschen Fernsehens konfrontiert der Talkmaster Günther Jauch den Griechen Yanis Varoufakis mit einem Video, in dem er öffentlich über die Bewältigung der griechischen Finanzkrise spricht. In dem Video sagt er, dass sein Land „Deutschland den Finger zeigen könnte“ und macht dazu die passende Geste. Sofort erklärt Varoufakis, dass es sich bei diesem Video um eine Fälschung handelt. Er habe eine solche Geste niemals gemacht. Am 19. März behauptet im Gegenzug der Moderator des Neo Magazin Royale, Jan Böhmermann, er habe das Video gefälscht und zeigt, wie die Redaktion den Finger in das Bildmaterial eingefügt habe.
Die mediale Aufmerksamkeit ist gigantisch. Das Thema brisant. Unter #Varoufake twitterte die gesamte deutsche Medienlandschaft zur explosiven  Angelegenheit. Der Hashtag wurde von Medien und Usern in social networks 47.487 mal benutzt. Mit Jan Böhmermanns Behauptung, das Video gefälscht zu haben, katapultierte sich der Aufsteiger unter den Talkmastern in die Top 10 von MediaComs Social TV Buzz Ranking. Spätestens jetzt ist seine Sendung Neo Magazin Royale, die im Februar 2015 den Sprung aus dem ZDF Nischenprogramm ins Hauptprogramm geschafft hat, in aller Munde. Es ist ein genialer Coup, das öffentliche Interesse gewaltig.

Doch Vorsicht! PR-Gags können auch leicht nach hinten losgehen.  So zum Beispiel bei der PR-Aktion des FC Bayern Münchens im Jahr 2012, die sich zur Vorstellung einer neuen Facebook-App etwas ganz Besonderes ausgedacht haben. Bei einer Online-Pressekonferenz soll ein neuer Spieler vorgestellt werden, angeblich ein Top-Transfer. Die Spannung ist groß. „Der Spieler wird leider nicht hier anwesend sein können“, erklärt der Pressesprecher. Ein Foto des Spielers wird stattdessen eingeblendet. Doch dann, die Enttäuschung der Fans ist riesig, es ist nur ein PR-Gag. Das vorab aufgezeichnete, und auf der Facebook-Seite des FC Bayern Münchens hochgeladene Video, zeigt statt des neuen Spielers das Profilbild des jeweiligen Nutzers. Die Marketingaktion soll den Fans das Gefühl geben, sie selbst wären der neue FC-Bayern Star. Doch diese Strategie ging nicht auf. Die leidenschaftlichen Fans sind enttäuscht und richtig verärgert. „Geht lieber raus und spielt anständig Fußball, statt eure Fans zu verarschen!“, schreibt ein Nutzer. Die Social Media-Abteilung muss reagieren und entschuldigte sich bei den Fans. 4000 „Gefällt mir“-Klicks für die neue App gab es in den ersten 45 Minuten trotzdem.

Ob und in welchem Rahmen ein PR-Gag für ein Unternehmen oder eine Person des öffentlichen Lebens geeignet ist oder nicht, muss individuell entschieden werden. Sicherlich ist es kein Instrument das im PR-Alltag eingesetzt wird und gängigen Regeln folgt. Was passiert nachdem man den Gag veröffentlicht hat, kann man im vornherein nicht wissen. Gut vorbereiten sollte man sich auf jegliche Reaktion in jedem Fall.

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