Die Mindeststandards der GPRA – eine Erlösung für ausgebeutete Praktikanten?

Anfang Februar 2015 hat die GPRA, der Verband führender PR-Agenturen Deutschlands, Mindeststandards für Praktikanten in Agenturen eingeführt. Diese wurden gespannt erwartet  ̶   von den Studenten voller Ungeduld, von vielen Agenturen jedoch mit gemischten Gefühlen.

– von Michaela Lang –

In den Standards wurden Lernziele, organisatorische Dinge und Anforderungen an die Praktikanten recht klar definiert   ̶   um die Praktikumsbedingungen für  Studenten zu verbessern, aber auch, um das oft negative Image von Agenturen aufzupolieren. Denn der Begriff „Praktikum“ wird häufig mit dem Ausführen von Handlangerarbeiten wie Kopieren und Kaffeekochen assoziiert, teilweise sogar ohne Entlohnung.

Als neue Praktikantin bei Convensis sind diese Richtlinien gerade für mich aktuell. Da PR für mich Neuland ist und ich das Ausbeuterimage von Agenturen nicht selbst bestätigen kann,  habe ich mich genauer mit den Standards auseinandergesetzt. Auf den ersten Blick sehe ich nur positive Dinge, von fixer Vergütung  über ein Dutzend vielversprechender Lernziele bis hin zur Förderung selbstständiger Arbeit. Bei genauerer Betrachtung jedoch kommen mir Fragen auf – vor allem die organisatorischen Vorschriften der GPRA sind nicht so toll, wie sie klingen: Der Regelzeitraum für ein Praktikum beträgt 3 Monate. Zu kurz, um ein Urlaubssemester einzureichen und zu lang, um es während der Semesterferien zu absolvieren.

Des Weiteren wurde eine allgemeine Vergütung festgesetzt, welche sich am  BAföG-Höchstsatz orientiert. „Endlich!“, dachte auch ich und fiel erst einmal ins kalte Wasser. Denn die Agenturen, die ich vor meiner Bewerbung bei Convensis anschrieb, konnten sich teilweise keinen Praktikanten mehr leisten.

Hinzu kommt die Einführung des Mindestlohns Anfang des Jahres. Dieser betrifft Praktikanten nicht pauschal, sondern nur bei einem freiwilligen Praktikum mit einer Dauer von mehr als drei Monaten. Trotzdem werden sich in Zukunft Unternehmen überlegen, ob ein Praktikant nicht mehr Verluste als Gewinne bringt und somit unrentabel ist. Auch bei Convensis war es eine Zeit lang nicht sicher, ob sie weiterhin Praktika anbieten würden. Glücklicherweise war es im Endeffekt doch möglich und umso mehr habe ich mich über die Zusage gefreut.

Praxiserfahrung ist für die „Generation Praktikum“ elementar. Oft bekommt man ohne Vorerfahrung keinen Praktikumsplatz, ohne mehrere absolvierte Praktika keinen Job, der den Qualifikationen entspricht. Wofür studiert man also? In den Studienordnungen vieler Studiengänge sind keine Praktika vorausgesetzt. Noch ein Grund für Unternehmen, vor allem  Quereinsteiger abzuweisen.  Wieder ist der Aufwand zu hoch, die Zeit zu kurz. Als Studentin der Sprachwissenschaften kann ich ein Lied davon singen. Ohne vorgefertigten Berufsweg bin ich eben darauf angewiesen, mich durch Praktika zu orientieren und mir so eine Struktur zu schaffen. Was aus oben genannten Gründen schwierig wird. Ein Kreislauf, der auch durch die Einführung der Mindeststandards aller Voraussicht nicht durchbrochen wird.

Convensis CEO Prof. Dr. Stefan Hencke befasst sich als Unternehmer und Professor an der Fachhochschule Trier sowohl mit der Unternehmens- als auch mit der Studentenseite. Aus diesem Grund habe ich ihn um seine Meinung gebeten.

Auch er begrüßt die grundsätzliche Einführung der GPRA-Mindeststandards, nennt dabei aber folgende Einschränkungen: Zum einen kritisiert er die am BAföG- Höchstsatz orientierte Vergütung. Bei einem Praktikum, das zwei Monate oder weniger dauert, habe das Unternehmen meist finanzielle Verluste und stelle folglich (wenn überhaupt) primär Praktikanten für einen längeren Zeitraum ein. Dies ist, wie ich weiter oben ja schon erörtert habe, nicht immer möglich. Außerdem kommt bei einem längeren, freiwilligen Praktikum der Mindestlohn ins Spiel, welcher ebenfalls für erhöhte Ausgaben sorgt. Dementsprechend werden weniger Praktikanten eingestellt. In vielen Studienordnungen werden jedoch zweimonatige Praktika vorgeschrieben, diese sollten aktualisiert und den GPRA-Standards angepasst werden. All diese Tatsachen könnten letztlich dazu führen, dass Studenten verstärkt im Ausland nach einer Stelle suchen.

Wenn man von diesen Kritikpunkten absieht, sind die Regelungen ein guter Anfang. Durch die Definition der Lernziele wissen Praktikant und Agentur, was sie zu erwarten haben und können sich darauf einstellen. Dank der recht offen formulierten Punkte lassen diese aber noch Platz für die individuelle Gestaltung der Aufgaben. Auf jemanden wie mich, für den die PR noch Neuland ist und der erste Einblicke erhalten möchte, sind die Lernziele ideal abgestimmt – man findet beispielsweise Punkte wie „Grundlagen der PR bzw. Kommunikation“, „Grundlagen des Projektmanagements“ und „Grundlagen Medienarbeit“. Natürlich bekommt man einen genauen Einblick in das Geschäftsmodell Agentur und in die verschiedenen Berufsfelder, die daran hängen. Das klingt alles sehr interessant und ich bin gespannt, wie diese theoretischen Begriffe in die Praxis umgesetzt werden. Für einen erfahrenen Studenten jedoch sind die meisten Stichwörter zu oberflächlich, ein Masterstudent wäre eher unterfordert.

Die GPRA hat den Aufschrei der Praktikanten gehört, das Problem aufgefasst und einen guten Ansatz geschaffen. Natürlich sind die Standards noch ausbaufähig, der erste Schritt ist aber getan und man kann gespannt sein, wie sie sich in der Praxis behaupten.

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