Work-Life-Balance: Sollen E-Mails während des Urlaubs gelöscht werden?

Bei uns kommt der Chef zu Wort: Im „Chef-Blog“ äußert sich Prof. Dr. Stefan Hencke ab sofort wöchentlich zu aktuellen, wechselnden Themen. Der erste Schwerpunkt passt zur Urlaubs- und Ferienzeit – sollen Mitarbeiter ihre geschäftlichen Mails während des Urlaubs automatisch löschen lassen können, um für eine bessere Verbindung von Beruf und Freizeit zu sorgen?

– von Stefan Hencke –

Prof. Dr. Stefan Hencke, CEO der Convensis Group (GPRA)

Um es kurz zu machen: Das Ganze finde ich nicht gut, weil wir in der heutigen Zeit sehr stark netzwerk- und informationsorientiert arbeiten und daher ist ein kontinuierlicher Informationsfluss aus meiner Sicht absolut notwendig. Meist ist es ja nicht so, dass alle Informationen, die in der Zeit des Urlaubs zusammengetragen wurden, plötzlich nicht mehr relevant sind, wenn jemand in das Büro zurückkehrt. Vielmehr muss es auch eine Möglichkeit geben, dass sich der Mitarbeiter auch darüber informiert, was während seiner Abwesenheit passiert ist, häufig auch, welchen Prozess bestimmte Entwicklungen durchlaufen haben. Dies erspart mühsame Diskussionen und Nachfragen. Deshalb denke ich, es kommt weniger darauf an, alle Informationen löschen zu lassen, sondern vielmehr darauf, die Relevanz der entsprechenden Vorgänge vernünftig einschätzen zu lernen und diese zu organisieren.

Ich kann mir im Gegenteil sogar vorstellen, dass das grundsätzliche Löschen von allen E-Mails der Work-Life-Balance eher abträglich ist, weil der Mitarbeiter dadurch neuen Stresssituationen ausgesetzt wird. Er ist in der Holschuld, muss sich nachträglich informieren, eventuell sogar über Vorgänge, die in seiner Abwesenheit geschehen sind und von denen er gar nichts wissen kann. Er ist also der Informationsjäger, muss nachfragen und –haken, und das geschieht letztlich auf Kosten der Kollegen.

Bei Convensis könnten wir uns das nicht vorstellen. Wir arbeiten stark in Teamstrukturen und Mitarbeiter werden über die Projekte der anderen Teammitglieder informiert. Nach dem Urlaub wird eine Übergabe gemacht, die dem Mitarbeiter erspart, alle E-Mails lesen zu müssen. Trotzdem kann er sich über einzelne Projekte ausführlich informieren, wenn er möchte, da generell alle involvierten Personen bei wichtigen Konversationen in CC gesetzt werden. Für uns ist dies eher eine Frage des Projektmanagements, als eine des kompletten Informationsverlustes.

Resümierend würde ich daher eher anregen, die heutigen (technischen) Möglichkeiten zu nutzen, die Informationsflut einzudämmen und es dem Mitarbeiter einfacher zu machen, sich nach dem Urlaub vollumfänglich über den Projektstand im jeweiligen Fachgebiet bzw. seinem Arbeitsumfeld zu informieren, als Ganz- oder Gar-Nicht-Lösungen zu suchen.

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Tauschen, was das Zeug hält: BOOKSHARING bei Convensis

– von Ana-Maria Papara –

Ana-Maria Papara, Manager Marketing

Bin ich eine Leseratte? Ja, ich denke schon. Ich liebe Bücher, und das meiste Geld wird immer für neuen Lesestoff ausgegeben. Obwohl ich dutzende Bücher daheim habe, die nur darauf warten, gelesen zu werden, ertappe ich mich immer wieder beim erneuten Bücherkauf. Kann man den Konsum von Literatur als Sucht bezeichnen? Mein Bücherregal platzt mittlerweile aus alle Nähten und mein schöner blau-brauner Ethno-Teppich bekommt seit einer Weile literarische Unterstützung – Stolperfalle inklusive.

Neulich hat mich ein Bild, das in Berlin auf einer Straße aufgenommen worden ist, auf eine meiner Meinung nach interessante Idee gebracht. Der Titel: „Der Bücherwald“. Bei dem fotografierten Objekt handelt es sich um vier alte, verbundene Baumstämme, in die mit Büchern gefüllte Kästen eingelassen worden sind. Der Clou: Jeder kann hier vorbeischauen, sich mit spannendem Lesestoff versorgen und vielleicht auch „Ausgelesenes“ hineinstellen. Ein Geben und Nehmen von gedruckten Worten – „Booksharing“. Mir war sofort klar, dass auch ich meine alten und treuen literarischen Begleiter mit anderen teilen möchte.

Der Begriff „Sharing“ begegnet uns heutzutage fast in jedem Bereich unseres Lebens. Denn es gibt mittlerweile einige Möglichkeiten, verschiedene Sachen und Dinge zu sharen. Das fängt bei Carsharing an, geht über zu Bikesharing und Urlaub machen wir immer öfter über Couchsurfing. Auch unsere Kühlschränke werden aussortiert oder ausgefüllt mit Hilfe von Foodsharing. Die Sharing-Communities und Internetplattformen schießen wie Pilze aus der Erde. In Stuttgart im Schlosspark kann man bereits Kinderbücher teilen – meine gegen deine.

Aber zurück zu meiner „Idee“ – selbstverständlich habe ich das Booksharing nicht erfunden. Doch Literatur verbindet! So kommt man zu neuen Autoren und Meisterwerken, findet neue Themen und schließt sogar neue „Freundschaften“. Natürlich ist das Büro vielleicht nicht der richtige Ort, um einen Bücherwald zu bauen, dennoch habe ich in unseren Räumlichkeiten eine kleine Ecke gefunden, in der wir einen Booksharing-Bereich eingerichtet haben. Jeder ist dazu eingeladen, alte und neue Literatur dort zu teilen, anstatt sie bei Internetportalen oder Vermarktungsplattformen zu verkaufen. Und wer weiß: Vielleicht wird unser Büro bald ein weiterer Ort, um neue Autoren und literarische Geheimtipps zu entdecken.

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