National Branding: Über die Vermarktung von Reisezielen

– von Andreas Eisfeld –

Meist schalten wir alle mitten in der Sommerferienzeit einen Gang runter: Die Nachrichtenlage konzentriert sich traditionell eher auf typische Sommerlochthemen wie Castingsendungen und entlaufenen Zootiere, zahlreiche Büros sind unterbesetzt und die Schulen und Universitäten des Landes sind leer. Doch wo befinden sich alle? Ganz klar, auf Reisen.

Der Tourismus boomt und ist einer der größten Märkte Deutschlands – mit einer Bruttowertschöpfung von über 210 Mrd. Euro trägt die Branche fast 10 % zur Leistung der deutschen Volkswirtschaft bei. Verständlich, dass die Deutschen dabei auch selbst gerne unterwegs sind. Über drei Viertel von Ihnen reisen Jahr für Jahr. Wiederum 70 % der Reisenden wagen sich über die eigene Grenze hinaus, um im Ausland Entspannung, Faszination und Abenteuer zu finden. Dementsprechend wichtig ist es für beliebte und aufstrebende Tourismusziele, aus der Masse hervorzustechen und sich klar zu positionieren. Viele Länder handeln zunehmend wie Marken. Der auf den ersten Blick unverkennbare Außenauftritt bedingt ein Logo.

Quelle: tourism.australia.com

Im Allgemeinen ist ein gutes Logo unverwechselbar, spielt mit den Charakterzügen und prägenden Merkmalen des dahinter Stehenden und lässt sich in kürzester Zeit begreifen. Als besondere Herausforderung auf dem Reisemarkt muss ein Logo direkt die Stimmung transportieren, die den geneigten Reisenden einfängt. Vielleicht der leichte Weg, aber beispielsweise toll umgesetzt: Australien integriert einen seiner bekanntesten Bewohner direkt ins Logo und spielt mit sommerlicher und warmer Farbe, die direkt erahnen lässt, was den Touristen erwartet.

Quelle: peru.travel

Aber auch andere Wege funktionieren. Das Logo von Peru bricht das eigentlich typische Schema, ein isoliertes Logo neben einen Schriftzug zu setzen und präsentiert sich auffällig und anders. Es wirkt verspielt, aber gleichzeitig warm und passt stimmig zur Kultur des Landes. Doch es gibt auch Gegenbeispiele: Einige Logos sind nicht einmal schlecht designt, sondern einfach nur verwirrend und lassen jeglichen Bezug zum beworbenen Reiseland vermissen. Gerne glaubt man, dass Estland überraschend anders ist und freut sich über die schon im Logo ausgesprochene Einladung. Dieses versprüht aber den Charme eines IT-Konzerns, ist kalt und unemotional.

Quelle: visitestonia.com

Und hier liegt auch schon das Problem: Die Ausstrahlung eines Land, das durch viele Facetten beeindruckt oder sogar das unausgesprochene Versprechen neuer, noch nie gesehener Entdeckungen bietet, in einer Text- und Bildmarke zu transportieren, ist ein schwieriger Drahtseilakt. Nun ist nicht davon auszugehen, dass je ein potentieller Reisender seine Entscheidung für den nächsten Urlaub dem Branding eines Landes überlässt. Dennoch zeigt dieses Beispiel auf, dass der Außenauftritt eines Landes seine gewünschte Wirkung verfehlen kann, wenn er nicht stimmig ist. Und das gilt letztlich nicht nur für den Tourismus, sondern für die gesamte Marketingbranche.

Auch wenn die Hauptreisesaison demnächst vorbei ist, die Medien demnächst wieder über wichtige Themen berichten und sich die Büros, Schulen und Universitäten der Nation bald wieder füllen werden, gilt für die Wahl des nächsten Reiseziels: So schön sie auch ist, darf man sich nicht zu sehr von der Verpackung blenden lassen. Denn hinter schlechtem Branding verbirgt sich oft die schönste Überraschung. Das Ticket nach Tallinn ist auf alle Fälle schon einmal gebucht.

Quellen: Der deutsche Reiseverband

Please follow and like us:

Welche Chancen haben Geisteswissenschaftler in der PR?

– von Lisa Schaber –

Lisa Schaber, Praktikantin Convensis Group

Die Zeit bei Convensis vergeht wie im Fluge und es wird Zeit für den zweiten Teil meines Blogbeitrags. Mir ist aufgefallen, dass meine Kolleginnen und Kollegen bei Convensis die verschiedensten Universitätsabschlüsse vorweisen, unter anderem auch geisteswissenschaftliche. Damit wird mir bestätigt, dass auch Geisteswissenschaftler fernab der Universität doch auch Chancen bei Unternehmen haben.

Als klare Vorteile, die Geisteswissenschaftler aus ihrem Studium mitnehmen, wird die Fähigkeit genannt, Sachverhalte aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und als „Querdenker“ Vorgänge kritisch hinterfragen zu können. Die Absolventen sind offen für Neues und haben keinen Tunnelblick gegenüber eingefahrenen Sachverhalten, da sie sich in diese aus einem anderen Blickwinkel frisch einarbeiten müssen und das vom Studium her gewohnt sind. Außerdem versuchen Universitäten den Studenten „Soft Skills“, also sogenannte „weiche Fähigkeiten“ wie z.B. soziale Kompetenz mit auf den Weg zu geben. Diese fördern zum Beispiel den richtigen Umgang mit Mitmenschen in unserer Gesellschaft. Soft Skills reichen von Empathie, Teamgeist und Einsatzbereitschaft bis hin zu Zuverlässigkeit und Organisationstalent. Mit dieser Kombination an Fähigkeiten sollte doch Platz für uns Geisteswissenschaftler sein.

Laut einer Befragung von Absolventen durch das Hochschulinformationssystem (HIS) haben es Geisteswissenschaftler beim Übergang von der Uni in das Berufsleben besonders schwer. Tatsache ist, dass es für Absolventen der Geisteswissenschaften oft keine speziellen Stellenangebote gibt, daher wird ihnen unbedingt geraten, sich als Quereinsteiger zu bewerben. Firmen, die noch nie Geisteswissenschaftler eingestellt haben, sehen das Potential der Geisteswissenschaftler (noch) nicht. Aber dennoch wird zu Initiativbewerbungen geraten und man sollte sich auch bewerben, wenn man nicht jedes Kriterium des Stellenangebots erfüllen kann. Convensis beweist mir erst mal, dass man als Geisteswissenschaftler Chancen hat und deswegen schaue ich optimistisch in die Zukunft.

Please follow and like us:

Mindestlohn für Praktikanten? – Ein Kommentar von Susanne Hencke

– von Susanne Hencke –

Susanne Hencke, Personalverantwortliche bei Convensis

Grundsätzlich finde ich die Entscheidung für einen Mindestlohn in Deutschland richtig. Trotz aller berechtigter Einwände und Kritik an der Einführung, glaube ich, dass die positiven Effekte überwiegen werden. Es gab zu viele Jobs, von denen die Menschen nicht mehr leben konnten. Vor allem im gewerblichen Sektor ist es daher richtig, dem Dumping-Preis-Druck etwas entgegenzusetzen. Abgesehen davon halte ich einen Mindestlohn für Praktika aber verfehlt. Dabei ist die Intension ja durchaus begrüßenswert: Auch Praktikanten sollen von ihrer Arbeit leben können. Zumal, wenn sie ihr Studium abgeschlossen haben und eigentlich in einem echten Job ihre Berufslaufbahn beginnen könnten. Und natürlich gibt es die schwarzen Schafe unter den Unternehmen, die Praktikanten ausgebeutet und ihnen wenig geboten haben. Für diese Unternehmen ist der Mindestlohn ein Regulativ, das zu begrüßen wäre. Wir gehen aber davon aus, dass hier das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde. Für die meisten war das Praktikum eine Win-Win-Situation: Unternehmen bieten einem jungen Menschen die Möglichkeit, sich zu orientieren, auszuprobieren und sich in Projekten zu beweisen. Er bekommt dafür ein Experimentierfeld, eine professionelle Begleitung, Weiterbildungen und eine Aufwandsentschädigung, die mal höher und mal niedriger ausfiel. Wir konnten demgegenüber Projekte realisieren, die wir manchmal ohne Praktikanten nicht angestoßen hätten und konnten über einen längeren Zeitraum prüfen, wie jemand arbeitet.

Mindestlohn für Praktikanten? – Ein Kommentar von Susanne Hencke weiterlesen

Please follow and like us: