Champagner oder Cola Teil 4: Mindestlohn für Praktikanten?

– von Jennifer Zimmermann –

„Ihr seid doch noch jung. Junge Menschen brauchen noch nicht so viel Geld“. Ein Kommentar eines Unternehmens zum Thema Bezahlung von Praktikanten. Hier die Breaking News für alle so Denkenden: Auch junge Menschen müssen Miete zahlen. Zwar argumentiert Arbeitsrechtler Volker Rieble: „Studenten brauchen keinen Mindestlohn, sie haben ja schon BAföG“. Laut den Zahlen des statistischen Bundesamtes beziehen aber nur 27 Prozent der Studenten in Deutschland BAföG. Jede Menge Studenten sind darauf angewiesen, sich ihren Lebensunterhalt nebenher zu verdienen, da sie keinen Anspruch auf BAföG haben. Wieder andere sind stolz darauf kein Geld vom Staat beziehen zu müssen und arbeiten freiwillig nebenher, anstatt schon im jungen Alter Schulden aufzunehmen. Doch eine 40-Stunden-Woche während eines Praktikums lässt einen Nebenjob kaum zu.

Jennifer Zimmermann, Praktikantin bei Convensis

Dass Praktikanten nur gering oder gar nicht bezahlt werden, ist die gängige Meinung (Stichwort „Generation Praktikum“). Der Praktikantenreport 2012 des Bewertungsportals „meinpraktikum.de“ lieferte hierfür genauere Zahlen: Demnach arbeiten 40 Prozent der Praktikanten in Deutschland komplett kostenlos. Wird Lohn gezahlt, so liegt dieser durchschnittlich bei 290 Euro im Monat. Dabei sollte aber bedacht werden, dass in dieser Studie der Großteil der befragten Praktikanten nur einige wenige Wochen im Unternehmen arbeiteten und ihr Praktikum vor einem Studium absolvierten. Anders sieht es dagegen im „Praktikantenspiegel 2014“ aus, einer Befragung zu Praktikanten während des Studiums, die von „ABSOLVENTA Jobnet“ und dem Beratungsunternehmen „Clevis“ vorgestellt wurde. Hier erhielten ganze 94 Prozent eine Vergütung von durchschnittlich 729 Euro während des Bachelor-Studiums. Je nach Branche gibt es jedoch große Abweichungen: So zahlen vor allem in den Branchen mit  Nachwuchssorgen, wie der (Rechts-)Beratung, der Telekommunikation und IT,  dem Banken- und Finanzwesen sowie der Konsumgüterindustrie, ein besonders hohes Gehalt. Am schlechtesten vergütet wird dagegen  in den Bereichen Soziales, Kultur und – wer hätte es gedacht – Medien und Marketing mit durchschnittlich etwa 540 Euro.

Nun steht der Gedanke an einen Mindestlohn im Raum: Laut Koalitionsvertrag soll ab 2015 die gesetzliche Lohnuntergrenze von 8,50 Euro gelten. Seit Monaten wird jedoch darüber gestritten, welche Ausnahmen es von dieser Regelung geben soll. So möchte Arbeitsministerin Andrea Nahles Minderjährige grundsätzlich vom Mindestlohn ausnehmen, um zu verhindern, dass sie statt einer Ausbildung lieber einen besser bezahlten Aushilfsjob annehmen. Denn auch Auszubildende, Minijobber und Praktikanten sollen Ausnahmen darstellen. In der Gruppe der Praktikanten sind jedoch noch weitere Unterscheidung geplant: Demnach bekommen solche, die ein Praktikum im Rahmen von Schule oder Studium absolvieren keinen Mindestlohn – Praktikanten mit abgeschlossener Berufsausbildung bzw. Studium dagegen sollen mindestens 8,50 Euro erhalten. Argumentiert wird folgendermaßen: Bei Praktika während Schulausbildung und Studium steht der Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten sowie die berufliche Orientierung im Vordergrund. Da dem Praktikum somit ausbildender Charakter zugesprochen wird, muss auch kein Mindestlohn gezahlt werden.

Zu der Gruppe der Praktikanten mit abgeschlossener Berufsausbildung bzw. Studium äußert sich Florian Haggenmüller vom Deutschen Gewerkschaftsbund und erinnert daran, dass es in dieser Gruppe eigentlich gar keine Praktikanten geben sollte: „Es kann nicht sein, dass qualifizierte Hochschulabsolventen und junge Menschen mit Berufsausbildung als Praktikanten ausgebeutet werden. Sie haben lange genug gelernt und haben das Recht auf eine Chance, sich im Berufsleben zu bewähren – als angemessen bezahlte Beschäftigte und nicht als Praktikanten.“ Denn wer noch nach dem Studium ein Praktikum annimmt, macht dies meist nicht freiwillig. Letztendlich kommen damit auch Zweifel auf, weshalb man nach all den Studienjahren noch nichts kann, für das einen jemand bezahlen will…

Doch wozu würde diese Unterscheidung führen? Ganz allgemein könnten Unternehmen Praktikumsstellen als Schlupfloch in der Mindestlohn-Gesetzgebung nutzen, so dass nur noch Schüler und Studenten eine Chance auf einen Praktikumsplatz haben. Schließlich würde die Zahl der Praktikumsangebote sinken. Oder aber Praktikanten säßen im Büro neben ihren dreimal so gut bezahlten Mitpraktikanten, während sie dieselben Aufgaben übernehmen. Da stellt sich die Frage, ob ein Praktikant im fünften Semester grundsätzlich schlechtere Arbeit leistet, als sein Kollege, der gerade seine Bachelorarbeit abgegeben hat?

Interessant ist, dass, wer mit seinem Praktikum zufrieden ist, zwar im Durchschnitt mehr verdient, gleichzeitig aber auch die längste Arbeitszeit hat. Selbstverständlich spielt das Gehalt dabei nicht die einzige und entscheidende Bedeutung. Auch interessante Aufgaben oder die Wertschätzung der eigenen Leistung sind wichtige Kriterien. Mehr zum Thema Zufriedenheit demnächst an dieser Stelle…

Please follow and like us:

Gibt es DIE ideale Strategie für Social Media? – Wie der deutsche Mittelstand soziale Medien nutzt

– von Andreas Eisfeld –

Während die großen DAX-Unternehmen durch die Bank in Social Media-Portalen vertreten sind und ihre Botschaften zum großen Teil erfolgreich platzieren, gehen die Meinungen über Nutzen und Sinn des Einsatzes sozialer Medien im Mittelstand weit auseinander: Lässt sich meist kein messbarer Erfolg erkennen, oder handelt es sich doch etwa um ein Sprungbrett, um kleine, aber feine Erfolgsgeschichten zu schreiben? Und sind es nicht vor allem die jungen Unternehmen, die von geschickter Kommunikation in der Digitalwelt profitieren? Wenn also eine Sache klar ist, dann, dass noch viele Fragen offen sind. Kann es überhaupt eine Musterstrategie, das eine richtige Konzept zur effektiven Nutzung geben? Um zumindest diese Frage zu klären, sollten wir erst einmal einen Blick auf die digitalen Nutzungsgewohnheiten deutscher kleiner und mittlerer Unternehmen, die sogenannten KMU, werfen.

Im Rahmen meiner Abschlussarbeit an der Universität Hohenheim habe ich im vergangenen Jahr das Nutzungsverhalten kleiner und mittlerer Unternehmen in Baden-Württemberg untersucht – einem Bundesland, das sich gerne für seine Nähe zu technischen und technologischen Trends rühmt. Dies spiegelte sich  schon im Anteil der untersuchten Unternehmen wider, die Social Media aktuell nutzen:  Von insgesamt 367 befragten mittelständischen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen gaben 67 Prozent der Befragten an, mindestens eine Form sozialer Medien zu nutzen.

Grundsätzlich schienen für die restlichen Untersuchungsteilnehmer vor allem zwei Gründe gegen den Einsatz von Social Media sprechen: 48 Prozent der Unternehmen, die sich gegen den Einsatz im Web 2.0 ausgesprochen hatten, erwarteten schlichtweg keinen Nutzen durch Social Media-Auftritte, während 45 Prozent den personellen Aufwand als zu hoch einschätzten. Darüber hinaus wurde häufig Zeitmangel angegeben, sowie, dass sich die Präsenz in sozialen Medien zwar in der Planungsphase befinde, allerdings zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht realisiert wurde. Vereinzelt wurde geäußert, dass innerhalb des Unternehmens immer noch Unklarheiten über die strategische Ausrichtung bestehe (etwa bei der Auswahl der Zielgruppen der Kommunikationsaktivitäten), weshalb der Einsatz noch nicht sinnvoll erscheine. Viele der Gründe gegen den Social-Media-Einsatz basieren also auf Formen von Zeit-, Personal- und Ressourcenknappheit, die vor allem im Mittelstand und bei kleinen Unternehmen eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielen.

Von sicherlich größerem Interesse ist aber, wie denn Social Media tatsächlich genutzt wird: Es ist auffällig, dass mit 51 Prozent mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen innerhalb der letzten zwei Jahre mit der Nutzung begonnen hatte, was dafür spricht, dass sich viele mittelständische Unternehmen immer noch im Adoptions- und Aneignungsprozess befinden. Den Erwartungen entsprechend sind KMU vor allem bei den sozialen Netzwerken, allen voran den eher privat ausgerichteten Netzwerken wie Facebook, aktiv vertreten. 76 Prozent der Befragten nutzen private soziale Netzwerke aktiv, 66 Prozent nutzen beruflich ausgerichtete Netzwerke aktiv. Auffällig ist aber auch die hohe passive Nutzung (also beispielsweise die Nutzung als Recherchetool zur Suche von Informationen) von beruflichen Netzwerken wie etwa XING, die von 78 Prozent der befragten Unternehmen betrieben wird und damit noch vor der aktiven Nutzung der privaten sozialen Netzwerke liegt.

Social-Media-Management hängt noch immer der Ruf als „Nebenbei-Tätigkeit“ nach. 75 Prozent der Befragten gaben an, dass Mitarbeiter Social Media betreuen, die parallel auch für andere Aufgabengebiete zuständig sind. Nur 4 Prozent beschäftigen Angestellte, die ausschließlich für die Betreuung der Social Media-Kanäle zuständig sind. Der Großteil setzt soziale Medien zur Steigerung des Bekanntheitsgrades (89 Prozent der Befragten) ein. Als Instrument zur Kundenbeziehungspflege verstehen 67 Prozent ihre Social Media-Auftritte. Als dritthäufigstes Ziel wurde die Steuerung des Marken- und Unternehmensimages (65 Prozent) genannt. 84 Prozent gaben an, dass Neukunden eine Zielgruppe ihrer Social Media-Kommunikation darstellen, 81 Prozent nannten Bestandskunden. Auf dem dritten Rang folgen Geschäftspartner (64 Prozent). Der grundsätzliche Impuls zur Einführung stammte in vielen Fällen von der Geschäftsführung, die Ausgestaltung geschah über die betreuenden Mitarbeiter. Soweit also der kurze und knappe Überblick.

Wie entwickelt sich also nun der Social-Media-Einsatz im Mittelstand, und viel wichtiger, gibt es eine ideale Strategie? Wie in so vielen Fällen hat sich bei dieser Untersuchung schnell herausgestellt, dass es die eine, für alle perfekte Nutzungsweise nicht geben kann. Zu unterschiedlich sind individuelle Ansprüche. Uns allen ist aber selbstverständlich klar, dass das reine Einrichten eines Facebook-Accounts kein Garant für den erfolgreichen Auftritt in der Netzwelt darstellt. Vielmehr zählt es, ein schlüssiges Konzept zu erarbeiten, das aber natürlich auch zu den spezifischen Begebenheiten des Unternehmens passt. Und so besteht dann auch für den Mittelstand die Chance, mit der richtigen Motivation und der zündenden Idee eine kleine, aber feine Erfolgsgeschichte zu schreiben. Wie das funktionieren kann, zeigt die bekannte Therme Erding: Der offizielle Facebook-Auftritt des Erlebnisbads zählt über 190.000 Fans und bietet damit eine erstaunlich breite Plattform für die Unternehmenskommunikation.

Please follow and like us:

Threema, Telegram & Co.? Oder doch lieber bei WhatsApp bleiben?

– von Felix Haußmann –

Kein Thema bewegt die Nutzer von Smartphones in letzter Zeit so sehr, wie die Übernahme von WhatsApp durch Facebook: Sind meine Daten bei WhatsApp noch sicher? Spioniert Facebook jetzt auch noch meine wahren Freunde über mein Adressbuch aus? Sind die Beteuerungen des WhatsApp Gründers Jan Koum, der Nachrichtendienst bleibe ein eigenständiges Unternehmen, glaubhaft? Das sind nur einige der Fragen, die sich die verunsicherte Nutzergemeinde jetzt stellt.

Praktikant und Verschlüsselungsexperte Felix Haußmann

Auch ich habe mir natürlich alle diese Fragen gestellt und überlegt zu welchem alternativen Anbieter ich nun wechseln könnte. Diese Frage ist aber gar nicht so einfach zu beantworten. Die einen sagen dies, die anderen das genaue Gegenteil. Ist Telegram nun die beste Alternative oder doch besser Threema, der Blackberry Messenger, Line oder gar myEnigma? Mein erster Gedanke war: Jetzt warte ich erst mal ab, was die anderen alle machen. Aber anscheinend verfahren die meisten nach diesem Muster, jedenfalls hat sich zumindest in meinem Freundes- und Bekanntenkreis noch keine eindeutige Lösung herauskristallisiert.

Nach einigem Warten und nachdem sich die meisten meiner WhatsApp-Kontakte dann doch entweder für Telegram oder für Threema entschieden hatten, habe auch ich mir den Telegram Messenger heruntergeladen. Der Vorteil: Er ist kostenlos. Der Nachteil: Ich weiß nicht so richtig, ob ich in eine App, die zur russischen Version von Facebook gehört, mehr Vertrauen haben sollte, dass sie mit meinen Daten verantwortungsvoll umgeht, als zu WhatsApp. Auch in einer Bewertung der Stiftung Warentest schneidet Telegram nur unwesentlich besser ab als WhatsApp. Telegram bietet zwar eine End-to-End-Verschlüsselung, diese muss vom Nutzer allerding gezielt unter „Secret Chat“ ausgewählt werden. Ebenso wie WhatsApp speichert auch Telegram alle Adressbucheinträge aus meinem Smartphone, ansonsten überträgt die App aber anscheinend keinerlei Daten an den Anbieter oder an Dritte.

Deutlich besser bewertet wird hingegen die Schweizer App Threema. Threema benutzt im Gegensatz zu Telegram eine automatische End-to-End-Verschlüsselung. Adressbucheinträge können zwar ebenfalls gespeichert werden, allerdings nur in pseudonymisierter Form und mit der ausdrücklichen Zustimmung des Nutzers. Aber auch, wenn man dem Auslesen seines Adressbuches nicht zustimmt, kann die App angeblich problemlos verwendet werden. Der Grund, warum sich die meisten meiner Freunde und auch ich mich letztendlich nicht für Threema, sondern für Telegram entschieden haben, liegt wahrscheinlich daran, dass Threema nicht kostenlos ist. Auch für mich waren 1,79 Euro für eine App, bei der ich nicht wusste, ob sie einen Nutzen hat, ein Hemmnis.

Doch obwohl ich jetzt den neuen Messenger installiert habe, konnte ich mich noch nicht dazu durchringen, WhatsApp von meinem Handy zu löschen. Zu viele meiner WhatsApp-Kontakte sind entweder noch immer dort oder aber sie sind zu einem ganz anderen Anbieter gewechselt. Deshalb habe ich jetzt beide Messenger und habe beschlossen, die weitere Entwicklung einfach mal ganz entspannt abzuwarten. Am Ende entscheidet man ja doch nicht selber darüber, mit welcher App man seine sozialen Kontakte pflegt. Es wird darauf ankommen, wie sich das Umfeld entscheidet, weil man ja eine App benutzen will, mit der man mit möglichst vielen seiner Freunde kommunizieren kann. Und dazu ist es nötig, dass sie von möglichst vielen genutzt wird – so wie das bei WhatsApp der Fall ist und wahrscheinlich trotz aller Befürchtungen auch bleiben wird.

Please follow and like us: