Dresscode Man: Die Harmonie der Gegensätze

(von Irmie Schüch-Schamburek)

So wie es zu jeder These eine Antithese gibt, ist jeder Fashiontrend diese Saison auch in seinem extremen Gegensatz en vogue. Dies gilt auch für die Herrenkollektionen dieses Herbstes. Im Casual Bereich heißt dies Hightech versus Retro. Einerseits erlebt Loden oder zumindest Lodenoptik und klassischer Strick ein Revival, andererseits bestimmen hochfunktionelle Technomaterialien Funktionalität, Look und Haptik.

Futuristisch anmutende Schnitte, 3D Materialien, grafische, architektonische Strukturen und Muster sind auch im Business ein Thema – übrigens ebenso wie klassischer Nadelstreif, dem sich kaum ein namhafter Designer entziehen konnte. Nicht minimalistisch, sondern extrem opulent präsentiert sich hingegen der aktuelle Dandy Style mit Rüschen- und Volants auf Hemden sowie Blumenprints – es muss ja nicht gleich als Stickoptik auf Nadelsteifanzügen sein, wie es Dolce&Gabbana oder Diesel Black Gold zeigen. Ebenso ein Trendthema, das aber für Männer eher nur ein Nischenlook bleiben wird: Animalprints. Egal ob Löwe, Giraffe oder Zebra, sowohl das Kultlabel Burberry Prorsum als auch Yves Saint Laurent und Versace setzen auf diese Optik. Wer etwas gemäßigtere Prints bevorzugt, dem stehen diesen Winter Karos in allen Kombinationen zur Verfügung – beispielsweise von Jil Sander, Étro, Valentino, Gucci oder Zegna. Ganz gleich ob als klassischer Glencheck oder Vichy-Stil  im 50er-Jahre Look wie es Minucci Prada präsentiert. Wer es exzentrisch liebt, der trägt es als Anzug in kontrastvollen All Over Look oder kombiniert verschiede Muster bei Hose und Sakko. Mut kann man nicht kaufen!

Irmie Schüch-Schamburek – Style & Trend Consultant und Autorin

Apropos Anzug: Dieser präsentiert sich immer noch schmal und tailliert geschnitten, mit zwei Knöpfen, schmalen Hosen und ebenso schmalen Krawatten. Alternativ dazu sind auch destrukturierte, weiche Schnitte, à la Giorgio Armani erlaubt. Auch Doppelreiher sind wieder trendmäßig im Vormarsch.  Wichtig: Unter dem Sakko dürfen auch diesen Winter dünne Pullunder oder Pullover getragen werden. Diese werden auch oft als Hemdersatz in Kombi mit Anzughosen getragen und sorgen für einen lässigen casual Touch.

 

 

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Beauty Trends – Die Haarschneidekünstler

Interview mit ANGELO & DAVIDE BUSCEMI

In Stuttgarts angesagtem Friseursalon Schneidekunst „is all in the mix“: Großzügige Galerieräume verschmelzen mit meisterhaftem Friseurhandwerk zum Hairsalon „Schneidekunst“. Für optimale Farbmischungen haben die Brüder und Inhaber Angelo und Davide Buscemi ihre Vision von einer „Colour Bar“ verwirklicht – und damit ein spannendes Gesamtkonzept realisiert, das dazu einlädt, das Haar in die Hände von Künstlern zu legen.

Was versteht man unter einem Trend?

Ein Trend ist eine neue Auffassung von Wirtschaft, Technologie und vor allem Gesellschaft, die eine neue Bewegung auslöst. Anhand von Trends ist die zukünftige Entwicklung erkennbar.

Ab welchem Stadium spricht man von einem Trend?

Vor allem in unserer Branche spricht man von einem Trend, sobald ca. 30 Prozent der Masse beginnt, einen neuen Stil zu verfolgen.

Können überhaupt (noch) neue Trends entstehen – oder handelt es sich dabei immer nur um eine Wiederbelebung?

Ein neuer Trend kann nur entstehen, wenn das Umfeld bereit ist, ihn mitzumachen. Doch meistens sind es vergessene Trends, die mit neuer Inspiration und neuen Technologien wiederbelebt werden.

Wie stark haben politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Faktoren Einfluss auf Trends?

In verschieden Kulturen ist es leider nicht immer möglich, neuen Trends zu folgen, denn Religionen oder politischen Systeme können wie Barrieren wirken. Darüber hinaus spielt der soziale Faktor eine wichtige Rolle, da sich das Selbstbild über das Fremdbild entwickelt. Es bringt Menschen Anerkennung und Wertschätzung, egal aus welcher gesellschaftlichen Schicht sie kommen.

Welche Trends sehen Sie für Ihre Branche für die nächsten Jahre vor? Welche Entwicklungen sollten besonders genau beobachtet werden?

Die Entwicklung im Rasierschnitt, im Slicing, in verbesserter Technik der Schnittlinien. Auch bei Farben und Tönungen geht es immer mehr darum, wenig Chemie im Produkt zu haben, um die Haare so wenig wie möglich zu beanspruchen. Blondtöne mit verschiedenen Reflexen z.B. Erdbeerblond, Fliederblond, Kupferblond oder Pastellfarben sind Farbtöne, die sehr stark im Kommen sind. Damen werden kurze extravagante Frisuren tragen. Wir sind auch der Meinung, dass die sogenannten “11 Euro Fri­seure” an Beliebtheit verlieren werden. Der Kunde wird wieder verstärkt Friseure aufsuchen, die Spezialisten in ihrem Handwerk sind und die spezialisierte Dienstleistungen anbieten.

Was wird den Verbrauchern von morgen wichtig sein, was verliert an Relevanz?

Professionalität und Ehrlichkeit wird wichtig sein. Es wird nicht mehr darum gehen, alles möglichst günstig zu bekommen. Ein Höchstmaß an Qualität wird den Menschen immer wichtiger werden. Seitens des Dienstleisters werden verbesserte Dienstleistungen und mehr Zeit für den Kunden eine wichtige Rolle spielen.

Wie sieht das Kaufverhalten von morgen aus?

In unserer Branche werden verstärkt Pflegeprodukte gewünscht, die in verschiedenen Größen angeboten werden. Auch typspezifische Produkte und Pflegeprodukte für Männer sind sehr stark im Kommen.

Welche Markenkonzepte werden die Gewinner von Morgen sein? Warum?

Produkte mit umweltfreundlichen Verpackungen, Naturprodukte mit wenig Chemie, Produkte, die nicht an Tieren getestet werden und solche mit hohem Wieder-erkennungswert.

Kann ein Unternehmen, das keinen Trends folgt, überleben?

Vor allem Dienstleistungsunternehmen sollten sich an den Interesse der Kunden orientieren, egal ob diese moderne Trends oder Zeitloses umfassen. Ein starres Konzept mit wenig Raum für Individualität wird nicht lange überleben.

Wie schätzen Sie die allgemeine Marktentwicklung in Ihre Sektor ein?

In unserer Branche wartet vielversprechendes Zukunftspotential. Billig-Ketten werden unserer Meinung nach früher oder später aussterben. Menschen legen heutzutage viel Wert auf Qualität und Wellness, da der Alltag mit immer mehr Stress verbunden ist. Unsere Branche sehen wir als Wellnessoase.

Welche Stoffe, Düfte oder Substanzen werden sich durchsetzen?

Nano-Partikel in Pflege und Farbe. Vor allem in oftmals chemischen Produkten wie Farbe und Blondierung werden sich natürliche oder duft­lose, neutrale Stoffe durchsetzen.

 

Auszug aus „The Trend Issue – Trendreport Urban Lifestyle 2014“, herausgegeben von der Convensis Publishing Network GmbH. Hier gibt es den vollständigen Trendreport gratis zum Download.

 

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Werbung ist der Wind, PR ist die Sonne – Betrachtungen zur Wirkung von Werbung und Public Relations

Jacqueline Büttner, Project Manager Communications

„Du arbeitest in einer PR-Agentur! Also machst du Werbung?!“ Diesen Satz höre ich beinahe jedes Mal, wenn ich erzähle, welchen Berufsweg ich eingeschlagen habe. Public Relations setzt der Laie eigentlich immer mit Werbung gleich. Dabei unterscheiden sich die beiden Formen öffentlicher Kommunikation sowohl in ihren Zielen, als auch in ihren eingesetzten Mitteln.

Alan und Laura Ries vertraten schon 2003 die provokante These, dass Werbung sich überlebt hat – sie sei zu kostspielig, zu selbstverliebt, zu ineffizient. Die beiden Autoren von „Werbung ist die bessere PR“ übersetzen die umstrittene Wirkung von Werbung in eine Fabel von Äsop, in der sich der Wind (Werbung) mit der Sonne (PR) streitet, wer von beiden der Stärkere sei. Sonne und Wind einigen sich, dass derjenige gewinnt, der einen Wanderer, der des Weges kommt, zuerst dazu bringen kann, seinen Mantel abzulegen. Je stärker der Wind bläst, desto fester hüllt sich der Wanderer in seinen Mantel. Als jedoch die Sonne zu scheinen beginnt und ihre Strahlen auf die Erde schickt, spürt der Wanderer allmählich die wärmende Wirkung und zieht seinen Mantel aus. Der Wind muss sich geschlagen geben, die Sonne geht als Siegerin aus dem Wettbewerb hervor.

Diese Geschichte soll vor allem zeigen, dass Wahrnehmungen sich nicht erzwingen lassen. Werbung als kräftig blasender Wind setzt auf den Knalleffekt. Die Sonne in Form der PR setzt dagegen auf nachhaltigen Aufbau.

Werbung ist der Wind

Bei Werbung geht es darum, den Absatz des beworbenen Produkts schnellstmöglich zu erhöhen. Ein Produkt soll mit all seinen Vorteilen dargestellt werden, während die Nachteile verschwiegen werden – sonst würde die Aufforderung zum Kauf wenig überzeugend wirken. Werbung mit guten Werbetexten kann sich sofort auf den Gewinn auswirken, ist also auf der Habenseite des Unternehmens erkennbar. Werbefachleute sprechen dabei von der Anstoßwirkung: Bei gedruckten Anzeigen soll sie über ganzseitige, bunte Inserate oder Seiten zum Ausklappen erreicht werden. Bei Fernsehwerbungen über temporeiche Action, verrückte Kameraeinstellungen und rasante Schnitte. Bei Radiospots über das Aufdrehen der Lautstärke. Dies sind jedoch Mittel, die immer schlechter funktionieren. Falsch positionierte Werbung führt dazu, dass sich der Umsatz nicht steigert oder sogar rückläufig wird. Je aufdringlicher das Kaufangebot, je stärker also der Wind bläst, desto stärker wehrt sich der Kunde gegen die Kaufbotschaft. Bei einer ständig steigenden Werbebelastung der Konsumenten, erreicht Werbung in vielen Fällen das Gegenteil dessen, was sie eigentlich bezwecken wollte.

 PR ist die Sonne

PR ist hingegen die wärmende Sonne. Sie ist darauf angewiesen, zu überzeugen, gute Argumente zu bringen und interessante Neuigkeiten für den Konsumenten zu transportieren. Medienvertreter lassen sich nicht zwingen, die Botschaft eines Unternehmens in einen Beitrag oder einen Artikel aufzunehmen. Redakteure und Journalisten bewerten, ob die von Unternehmen ausgesendeten Nachrichten wirklich interessant und verlässlich sind. Es liegt ganz in deren Händen, ob und wie sie über ein Produkt berichten. Auf diese Weise empfindet der Kunde eine redaktionelle Botschaft nicht als Zwang, sondern als Empfehlung. Genau aus diesem Grund sind redaktionelle Artikel über ein Produkt am Ende aber sehr viel glaubwürdiger und damit auch wirksamer als bezahlte Werbeanzeigen. Das Ergebnis durch gut verfasste Pressetexte ist auch nicht so deutlich ablesbar, hier wirken sich die Erfolge eher langfristig auch finanziell aus – die wärmende Wirkung der PR führt meist dazu, dass ein Konsument den Mantel ablegt, sich also für ein Produkt öffnet.

Wind und Sonne in optimalem Zusammenspiel

Die bislang aufwendigste Vergleichsstudie zur Wirkungskraft von Werbung und PR aus dem Jahr 2010 ergab, dass PR für Unternehmen im direkten Vergleich meist wirkungsvoller ist als die klassische Werbeanzeige – jedenfalls wenn Kunden schon mit dem Gedanken spielen, sich Produkte wie Autos, Kosmetik oder elektronische Geräte zu kaufen. Lothar Rolke und Marei Dost haben in ihrem Werk „Werbung und PR im Leistungstest“ (2010) mehr als 50 internationale Studien ausgewertet sowie ein Experiment mit über 1000 repräsentativ ausgewählten Personen durchgeführt.

Das Ergebnis: Öffentlichkeitsarbeit überzeugt vor allem, wenn es um die Vermittlung von Wissen, um Fragen der Glaubwürdigkeit und um Überzeugungskraft geht. Klassische Werbung entfaltet ihre Stärken, wenn Produkte vermarktet werden, denen der Konsument meist weniger Aufmerksamkeit schenkt. Letzten Endes sollen beide Formen den Absatz eines Produkts unterstützen und funktionieren am besten, wenn sie in einem ausgewogenen Zusammenspiel stehen.

Jacqueline Büttner ist als Project Manager Communications bei der Convensis Group in der PR-Beratung tätig.

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