Der ROI meines Brasilien-Urlaubs – Flexible Arbeitszeiten am Beispiel eines Arbeitsurlaubs

Es ist kurz nach Mittag, ich liege in der Hängematte, schaue über Palmen hinweg in den türkis-blau schimmernden Horizont, vom Strand wummern Sambabässe zu mir hinauf und ich versuche mich auf ein neues Personalentwicklungskonzept für Convensis zu konzentrieren.

In unserer PR-Agentur in Stuttgart fühlte ich mich in meiner Konzentration gestört vom „Krach“ da unten. Hier gehe ich entweder an den Strand und feiere mit, wippe entspannt in der Hängematte zu den Rhythmen oder ich schwimme eine Runde im Meer, bis die Partygesellschaft sich beruhigt hat und setze mich dann wieder an die Arbeit. Ich befinde mich im Arbeitsurlaub.

Vorteile für den Arbeitnehmer

Normalerweise versucht ein Angestellter im Urlaub, Gedanken an seine beruflichen Aufgaben möglichst schnell zu verdrängen, um einen möglichst hohen Erholungseffekt zu erzielen. Zwar möchte man die positiven Gefühle und Erinnerung aus dem Urlaub am liebsten möglichst lange mit in den Arbeitsalltag nehmen, doch beides zu verbinden ist eher ungewöhnlich. Das geht mir als Frau des Unternehmensinhabers nicht anders als allen anderen auch, denn bei Convensis bin ich in erster Linie Angestellte. Ich habe mich aber in den letzten Monaten immer mehr gesehnt nach einer Zeit, in der beides erreichbar sein kann: Erholung, Ruhe, Abstand und gleichzeitig ein intensives Eintauchen in meine Aufgaben im Büro.

Deshalb bin ich sehr froh, dass ich dieses Experiment wagen durfte. Ich hatte darum gebeten, weil mir der Arbeitsalltag zu wenig Raum für konzeptionelle Arbeit lässt. Im täglichen Trubel geht die Konzentration verloren und selbst wenn ich diese „Denkphasen“ in die frühen Morgen- oder Abendstunden verlege, bleibt doch zu wenig Zeit, sich in ein Thema zu vertiefen bzw. ihm bis zum Ende zu folgen. Brasilien ist zwar für einen einwöchigen Aufenthalt etwas sehr weit, da ich aber aus privaten Gründen sowieso in absehbarer Zeit dorthin reisen wollte, nutze ich die Gelegenheit, beides miteinander zu verbinden.

Hier im Urlaub muss ich zwar meinen Alltag auch organisieren, habe aber dazwischen viel Gelegenheit und Ruhe über mein Thema zu lesen, Ideen zu spinnen, sie wieder zu verwerfen und in einem anderen Zusammenhang wieder aufzugreifen. Das funktioniert sowohl am „Schreibtisch“ als auch bei den üblichen Urlaubsaktivitäten wie Schwimmen, Spaziergänge etc.

Weil ich mein Thema in den Mittelpunkt meines Aufenthaltes hier stelle und weil mich kognitiv wenig davon ablenkt.
Natürlich greift auch der „Tapetenwechsel“: Ich stelle fest, dass durch die Verlegung meiner Arbeitsaufgabe in ein völlig ungewohntes Umfeld neue Impulse entstehen. Das kann einerseits durch die gedankliche Übersetzung einer Erfahrung vor Ort auf mein aktuelles Projekt „Personalentwicklungskonzept“ passieren, manchmal kommen auch alte Pläne wieder an die Oberfläche, die im Alltag vergraben waren. In der Tat glaube ich nicht, dass ich dadurch kreativer arbeite, aber selbst wenn ich die aufkommenden Ideen nicht sofort aufgreife, tauchen sie teilweise später wieder auf und setzen sich in einen neuen Zusammenhang. Was die Arbeit dann doch wieder kreativ werden lässt.

Mühelos lässt die intensive gedankliche Beschäftigung mit dem Fragenkomplex schon nach ein bis zwei Tagen klare Konturen des Konzeptes entstehen. Ich habe den Eindruck, der Aufgabe „auf den Grund“ gehen und sie aus den verschiedenen Blickwinkeln betrachten zu können. Das Endergebnis wird dadurch in jedem Fall vielfältiger und ausgereifter ausfallen als dies im Büro möglich gewesen wäre.

Vorteile für den Arbeitgeber

Davon profitiert natürlich auch mein Arbeitgeber. Durch den vermeintlichen Zeitverlust des Urlaubs gewinnt er die effiziente Aufarbeitung eines Themas, die sich im normalen Tagesgeschäft unnötig in die Länge gezogen hätte. In der intensiven Beschäftigung mit einem Themenkomplex erwerbe ich zudem Kenntnisse, die mir auch in anderen Fragen meines Fachgebietes zugutekommen.

Den größten Vorteil kann ich aber in einem deutlichen Zugewinn an Motivation und Bindung an das Team und das Unternehmen erkennen. Durch die positive Erfahrung dieses Urlaubs und die thematisch intensive Zeit bin ich hochmotiviert, mein Konzept vorstellen und in die Tat umsetzen zu können. Ich habe zudem noch viele Ideen für andere Aufgaben gesammelt, die ich konkretisieren möchte.

Ich bin meinem Team und meinem Chef sehr dankbar, dass sie mir diese Woche ermöglicht haben. Sie haben nicht nur auf den Austausch mit und Entscheidungen von mir verzichtet, sondern teilweise meine Aufgaben mit übernehmen müssen. Da die Kommunikation über Internet und E-Mail nicht ganz so reibungslos wie gedacht funktionierte, verlangsamten sich ihre Prozesse. Trotzdem habe ich im Kontakt nie Verärgerung oder Ungeduld gespürt, sondern immer Freude, dass mir dieser Urlaub möglich ist. Diese positive Unterstützung und die Verbundenheit, die darin deutlich werden, werde ich wieder zurückgeben. Das Vertrauen meines Arbeitgebers in mich erhöht auch mein Vertrauen in das Unternehmen.

Im Vorfeld die Bedingungen genau abklären

Für Aufgaben mit einer starken Bindung zu Dokumenten, Kunden oder technischem Gerät ist ein Arbeitsurlaub sicher nicht geeignet, wenn diese gar nicht, oder nur mit hohem Aufwand an den Urlaubsort mitgenommen werden können. Ein Urlaub zum Arbeiten lässt sich für  konzeptionelle, analytische, kreative oder redaktionelle Aufgaben einfacher und effektiver realisieren.

Ganz grundsätzlich muss natürlich sichergestellt werden, dass der Arbeitsurlaub nicht zu einem kaschierten Urlaub degeneriert, wodurch nicht nur das Vertrauen zwischen Arbeitgeber und -nehmer gestört wird, sondern möglicherweise auch die Kreativität eines Unternehmens, über flexible Arbeitszeit- und -organisationsmaßnahmen nachzudenken.

Folglich ist die Grundlage eines Arbeitsurlaubs nicht nur eine stabile Vertrauensbasis zwischen Arbeitgeber und –nehmer. Beide müssen vor der Reise detaillierte Vereinbarungen über Arbeitsumfang und –ziele während  der Reisezeit auf der einen Seite sowie den zu erwartenden Aufwand auf der anderen Seite treffen. Weiterhin muss sichergestellt sein, dass die verabredeten Aufgaben am Urlaubsort auch geleistet werden können. Beispielsweise sind die Bedingungen vor Ort im Vorfeld zu recherchieren, der  Arbeitgeber muss eventuell die nötigen technischen sowie finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, damit der Arbeitnehmer seine Aufgaben erledigen kann (z.B. muss die Nutzung eines PCs möglich sein, wenn dies direkt vor Ort nicht möglich ist, kann der Arbeitgeber einen Laptop zur Verfügung stellen). In diesem Zusammenhang muss unbedingt geklärt sein, wer welche Kosten in welcher Höhe zu tragen hat. Umso detaillierter und klarer die Absprachen im Vorfeld getroffen werden, desto weniger Konfliktpotential birgt der Arbeitsurlaub.

Alle Beteiligten profitieren noch mehr, wenn der Kontakt eben nicht, wie bei einem normalen Erholungsurlaub, ausgesetzt wird, sondern Zeitfenster für den Austausch miteinander geschaffen werden.

Last but not least ist das Konzept des Arbeitsurlaubs auch eine Typfrage. Manch einer mag Arbeit und Urlaub einfach nicht vermischen. Mitarbeiter, die im Zusammenspiel mit ihrem Team zu Hochform auflaufen, mögen das isolierte Arbeiten uneffektiv und trostlos empfinden. Menschen mit einem starken Bedarf nach äußeren Strukturen oder einem festen Arbeitsrhythmus würden sich eventuell leicht in der Unstrukturiertheit einer Urlaubsumgebung verlieren. Der Mitarbeiter muss sich im Vorfeld fragen, ob er sich zutraut, sich neben Strand, Party, Bar o.ä. auch mit den Aufgaben zu beschäftigen, die man zu erledigen hat. Ein gewisses Maß an Selbstorganisation braucht es gegebenenfalls auch – in meinem Arbeitsurlaub auf jeden Fall – um an einem Urlaubsort Arbeitsatmosphäre und -bedingungen zu schaffen.

Aber wenn alle Beteiligten bereit sind, Kompromisse einzugehen und den Aufenthalt im Vorfeld gut vorzubereiten, kann der Arbeitsurlaub eigentlich für beide Seiten nur von Vorteil sein.

Übrigens, als Mitarbeiterin einer PR-Agentur erlaube ich mir zu erwähnen, dass die Pousada da Lua, Jacuma, Brasilien ein wunderbarer Ort für diese Gelegenheit ist.

Danke Tina und Leo!

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So fängt wohl jeder Blog einmal an. Nun ist auch Convensis dabei – hello world!

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